dalang

Glaubwürdigkeit und Vertrauen muss man sich hart erarbeiten, heißt es. Und das braucht Zeit. Nicht, wenn man klipp und klar sagt, was Sache ist.

Es hat mich immer fasziniert mit welcher Höflichkeit und Aufmerksamkeit mir die Menschen in fremden Städten gegenüber getreten sind. Ob ich den Weg zum Bahnhof nicht kannte oder die nächste Bank suchte, immer zeigten mir Einheimische den Weg dorthin und gaben mir noch den einen oder anderen wertvollen Tipp mit auf den Weg.

Daran erinnerte ich mich, als zwei Touristen, ihrem Akzent nach Franzosen, mich in Bremen nach dem Weg fragten. Jetzt konnte ich beweisen, dass Bremen, die Bremer, also ich, weltgewandt, freundlich, zuvorkommend und aufgeschlossen sind. Wir die französische Küche ebenso lieben wir ihren Wein, den Eiffelturm und alles, was sie so auf die Beine stellen, die alten Franzosen. Die beiden suchten eine Straße ganz in der Nähe. Und irgendwie klang der Name dieser Straße so vertraut in meinen Ohren, kam mir seltsam bekannt vor. Aber wo war sie?

Was die beiden Franzosen nicht wissen konnten, sie hatten buchstäblich einen Vegetarierer nach den gängigen Fleischpreisen gefragt. Mein Orientierungssinn ist nämlich so brauchbar wie einer platter Fahrradreifen. Und, was der Sache noch eine besondere Note verleiht, ich bestreite das bis aufs Blut. Was im konkreten Fall allerdings nicht nötig wurde. Ich hatte mein Smartphone dabei. Kurz den Namen der Straße eingegeben und einige Sekunden später zeigte mir Google Maps die Strasse auf der Karte an.

Jetzt, wissend lächelnd, als hätte ich das letzte noch ungelöste Geheimnis dieser Welt entschlüsselt, beschrieb ich ihnen den Weg. “Sie müssen links die Strasse überqueren, dann ca. 320 Meter gerade aus gehen. Dann rechts abbiegen und nach 48 Metern links in die Zielstrasse einbiegen. Dann sind sie da.” Meine Frau, die bisher ein wenig abseits stand, meldete sich nun zu Wort. “Mir scheint, die Straße liegt dort” und wies nach rechts. Das “dort” meiner Frau war keine geringfügige Abweichung meines Vorschlages, sondern exakt die entgegen gesetzte Richtung.

Nun hieß es, das Feld zu behaupten. Google und ich hatten schließlich einen Ruf zu verlieren. Was sollten die Franzosen denn von uns denken. Dass Frauen in Deutschland Männern mit Smartphone und Goggle Maps in der Orientierung überlegen sind. Niemals. “Nein, nein, ich bin mir ganz sicher, wandte ich mich wieder an die Franzosen. Und schauen sie hier, dabei hielt ich ihnen mein Smartphone unter die Nase. Sie müssen nach links. Was sie dann auch taten.

Okay, auf meinem Smartphone hatte sich ein kleiner Tippfehler eingeschlichen. Aber der war doch nicht gravierend. Und woher hätte ich überhaupt wissen sollen, dass Google die armen Kerle deshalb gleich in die falsche Richtung schickt?

Wer mehr wissen will über die Glaubwürdigkeit von Aussagen, der sollte sich die Untersuchungen von Melia Mason und Daniel Ames ansehen. Die beiden Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Menschen die präzise Auskünfte geben, unterstellt wird, sie hätten Ahnung und wüssten wovon sie redeten. Wer zum Beispiel bei Gehaltsverhandlungen gefragt wird, wie hoch das zukünftige Gehalt sein sollte, der ist gut beraten nicht 4.000€, sondern z.B. 4.045€ als Summe zu nennen. Demjenigen, der die präzise Zahl, in diesem Fall 4.045€ nennt, wird unterstellt, dass er sich seines Marktwertes sehr bewusst ist und ihn präzise benennen kann. Das stärkt die Verhandlungsposition.

Wie wäre es mit 4.123,75? Falls sich jemand als Controller bewerben will.