Hurra, wir sind in Indien, brüllte der Chef begeistert in den Wind. Quatsch, wir sind in Amerika, dachte sich Christoph Kolumbus Steuermann. Aber wie sag ich`s meinem Chef? Damals wie heute, ein Problem.

Wer jemals den reinigenden Charakter offener Kritik kennen gelernt hat, wird nichts anderes mehr wollen. Die Diskussionen ob man Fehler vom Chef gar nicht, nur unter vier Augen oder vor besser vor versammelter Mannschaft ansprechen soll, haben sich damit erledigt.

Die Kinder sind aus dem Haus, die Kaninchen tot und das Leben beginnt. Doch in regelmäßigen Abständen wiederholt sich ein Ritual, dass wir Familienessen nennen. Wir, das sind zwei ehemalige Erziehungsberechtigte, umgangssprachlich Mom, Dad, Daddy, Mutti, Papa, Vati oder auch einfach nur Leute genannt, sowie vier Töchter und ein Sohn. Bei einem leckeren Essen erzählen wir uns Sachen von Gott und der Welt. Fünf Kinder erleben viel, entsprechend groß ist  die Menge dessen was es zu berichten gibt. Und wer jemals mit der Führung eines Kleinstheimes betraut gewesen ist, kennt die physische und psychische Belastung die damit einhergeht. Coaching um in einem solchen Umfeld bestmöglich zu bestehen, ist äußerst hilfreich. Und genau daran hab ich es in der Vergangenheit mangeln lassen. Sonst wäre mir ein solch kapitaler Fehler nicht unterlaufen.

Diskos sind gnadenlos. Licht an, Gäste raus. Ein bestialischer Akt der Grausamkeit. Aber unglaublich effektiv um den Leuten das Ende der Sause zu demonstrieren. So etwas mache ich natürlich nicht. Und schon gar nicht bei meinen Kindern, die mir lieb und teuer sind. Ich liebe es eleganter. Der Rausschmiß soll kein Rausschmiß sein, sondern als frei gewählter Akt eigener Entscheidung daherkommen. Nur wer selbstbestimmt handelt, ist mit sich in Übereinstimmung. Und dieses Gefühl des bei-sich-seins möchte ich unseren Kindern vermitteln, wenn ich sie frage: Und, was machst du denn gleich so?

Gerade hatte ich diesen Satz im trauten Gespräch mit unserer Tochter platziert, meldete sich unser Sohn lautstark zu Wort und sagt zu seiner Schwester, hörbar für alle: „Hey Janna, wenn der Alte dir diese Frage stellt, will er dich loswerden. Sag ihm einfach, du hast nichts vor, du bleibst noch. Dann weiß er nicht weiter.“

Das muss der Grund sein, weshalb es so viele Führungskräfte immer noch bevorzugen, von ihren Mitarbeitern auf Fehler lieber im Vier-Augen-Gespräch hingewiesen zu werden. Offenbar haben sie Angst ihr Gesicht zu verlieren. Das kann ich nicht bestätigen. Offen auf meine Fehler hingewiesen zu werden bringt mich weiter und macht aus mir einen souveränen Menschen, der in der Lage ist aus Fehlern zu lernen. Zukünftig isst unser Sohn nun im Keller. Da hat er Gelegenheit in Ruhe über alles nachzudenken.

Zum Artikel des Harvard Business Manager zum offenen Umgang mit Fehlern gelangen Sie hier…