So richtig mit Anlauf und auf keinen Fall geplant, das ist die beste Voraussetzung um mit dem Tritt in einen Fettnapf so richtig Spaß zu haben. Allerdings ist es wie immer bei einem schönen Rausch, die Ernüchterung folgt auf dem Fuße.

Es ist wie beim Alkohol, wenn es am besten schmeckt sollte man eigentlich aufhören. Was natürlich niemand macht, der einigermaßen bei Verstand ist. Viel zu verlockend ist die Vorstellung, dass der momentane Zustand nicht noch durch ein paar Gläschen steigerbar wäre. Genau das Gleiche passiert bei guten Gesprächen. Wenn es so richtig flutscht, dann ist es, als ob man Volldampf Querfeldein reiten würde. Kein Hindernis weit und breit das sich nicht überwinden ließe. Aber irgendwann, bevor man sich richtig versieht, steht man mit seinem Gaul auf Glatteis. Auf verdammt Dünnem noch dazu. Umkehren? Gefährlich. Stehen bleiben? Auch. Man muss was tun. Unbedingt. Aber was? Absteigen und das Pferd erschießen? Das blöde Tier hat einen schließlich erst in diese unangenehme Lage gebracht. Ist aber auch keine Lösung.

Ich wusste es. Ich sollte das jetzt nicht sagen. Das kommt nicht gut. Aber egal, was soll schon passieren. Wir stehen hier doch so nett zusammen. Und es ist doch auch gar nicht böse gemeint. Eher so eine Art neutrale, völlig wertfreie Zustandsbeschreibung.  „Ja, den Müller* kenne ich. Hat auch von tuten und blasen keine Ahnung.“ Und schon war`s draußen. Eben noch die Beweglichkeit in Person und quicklebendig wie ein junges Fohlen, verwandelte sich mein Gegenüber in eine dieser Marmorstatuen, die so zahlreich in den Museen rumlungern. Weiß, kalt und irgendwie komisch. Hier stimmt was nicht, dachte ich. Es muss was getan werden. Aber was?

Einen Ohnmachtsanfall vortäuschen. Das hätte den Vorteil, dass ich das Gesagte als Teil einer Krankheit hätte verkaufen können. Und für eine Krankheit kann ich nichts. Ist so wie Epilepsie. Oder einfach das Thema wechseln. „Ja, das hätten wir ja nun auch geklärt. Und wie geht’s sonst so?“ Nicht so richtig prickelnd. Möglich wäre es natürlich auch, so lange auf den Boden zu starren, bis sich ein etwa 2 Meter tiefes Loch auftut, um darin zu verschwinden. Ich hab mir aber sagen lassen, dass diese Nummer noch nie jemand wirklich hingekriegt hat. Gehen, das wäre als Lösung auch drin. „Tut mir leid, ich sehe gerade, ich muss dringend los. Meine Kinder aus der Anstalt holen. Wir sind alle dort in Behandlung. Wer wie ich, ordentlich einen an der Waffel hat darf doch auf Nachsicht hoffen, oder?

Allerdings sind meine Lösungsvorschläge nicht so richtig toll. Das sagt auch der amerikanisch Ökonom George Loewenstein. Wenn etwas nicht geklärt ist und die Leute so tun als wäre nichts geschehen, den Kopf sozusagen in den Sand stecken, dann wird es schlimmer als es eigentlich schon ist. Dieser Effekt, auch als Ostrich-Effekt bekannt, beschreibt, wie diese Haltung zu Passivität und dem Hoffen führt, dass es von allein besser wird. Dies geschieht in den allermeisten Fällen, wie wir wissen, natürlich nicht.

Loewenstein mag schon recht haben, aber mich hätte doch mal jemand warnen können, dass dieser Müller der Schwager meines Gesprächspartners ist. Dann hätte ich doch meine Gäule im Zaum gehalten und wäre gesittet durch die Landschaft geritten. „Müller, ja kenne ich. Interessanter Mensch. Bringt gern neue Ideen ins Spiel“.

* Müller heißt im wahren Leben natürlich anders.