Mitunter weiß, manchmal ahnt man es, dass das Problem auf herkömmlichem Weg nicht zu lösen ist. Neue Ideen, ganz andere Wege müssen her. Höchste Zeit den Gedanken freien Lauf zu lassen. Doch dabei kann es ganz schön tierisch zugehen.

Sie kennen das, da sitzt man an einem Problem und weiß nicht weiter. Genau, Sie lesen richtig, es handelt sich um ein handfestes Problem und keine schlappe Herausforderung, wie es Neudeutsch so schön heißt. Da sitze ich also und so langsam gehen mir die Ideen aus, wie das Problem zu lösen ist. Oder seien wir ehrlich, ich habe überhaupt keine Ahnung mehr, was zu tun ist. Statt nun weiter in der immer gleichen Suppe von immer gleichen Lösungswegen zu schwimmen, entscheide ich mich einen anderen Weg zu gehen. Einfach mal raus, auf völlig andere Gedanken kommen und sich von dem ganzen Mist lösen. Den Kopf frei machen.

Andere gehen ins Kloster, machen eine Fastenwoche oder wandern schweigend über die Alpen. Ich setze mich ins Auto und rase mit 100 Km/h, als wandelndes Verkehrshindernis, über die bundesdeutschen Autobahnen. Und wende an, was in Innovationsworkshops so gelehrt wird: „Jeder Gedanke ist willkommen.“ So sinniere ich über Belanglosigkeiten wie den Erhalt des Weltfriedens oder Schwerwiegendes wie die Verbesserung von Krötenwanderwegen. Bis mir urplötzlich ein, vor mir fahrender, LKW beladen mit Schweinen, auffällt. In großen Lettern steht auf dem Anhänger geschrieben:“Levende Zwijns“. Schweine auf Klassenfahrt, wie der des Niederländischen unkundige Unternehmensberater sogleich übersetzt.

Und nun bin ich in Echtzeit dabei wie ein Norddeutsches Gehirn aus den drei Zutaten, Gedankenfreiheit, Autofahren  und Schweine viele Fragen zu Problemen aufwirft, die ich zuvor noch gar nicht hatte. So weiß ich seit einiger Zeit, dass eine mysteriöse Zunahme von explodierenden Schweineställen zu beobachten ist. Und was passiert, wenn das auch auf Schweine-LKW´s zutrifft? Sollte also der Laster vor der Ausfahrt Fallingbostel hochgehen, so habe ich es mit umherfliegenden Schweinen zu tun. Werden die Scheibenwischer eine 200 Kg Sau so einfach wegwischen können oder bedarf es nicht vielmehr eines stärkeren Scheibenwischermotors? Ist das Mitnehmen von Schweinhälften auf der Haube Diebstahl oder rechtmäßige Aneignung von Flugkörpern? Fragen, deren Antworten gut überlegt sein wollen.

Wieder Zuhause fühle ich mich außerordentlich entspannt. Mein Problem und seine Lösung liegen zwar nach wie vor in weiter Ferne, aber ich habe mich den umherfliegenden Paarhufer noch nie so nah wie heute gefühlt. Das ist doch ein schönes Ergebnis und übertrifft bei Weitem jeden Workshop.

Jetzt weiß ich natürlich auch, was meine Norddeutsche Verwandtschaft damit meint, wenn sie sagen: „Der hat nichts als Schweinkram im Kopp“. Die haben Angst vor explodierenden Ställen.