Sie müssen mal wieder auf einen Empfang, bisschen Smalltalk machen, nette Menschen treffen eben. Dreiviertel der Leute kennen Sie nicht und das restliche Viertel kennt Sie nicht. Als wäre das nicht schon genug des Guten, haben Sie eine Laune die jeden verwesten Hering dagegen als Delikatesse erscheinen lässt. Kein Problem. Mit ein paar charmanten Einstiegsformulierungen gewinnen Sie die Herzen Ihrer Gesprächspartner und beseitigen so ganz nebenbei auch Ihre schlechte Laune.

Auto kaputt, Termin verpasst, Kind krank, Straßenbahn überfüllt und aus unerklärlichen Gründen auf dem rechten Ohr taub. Wahrscheinlich ein Kohlrabi großer Tumor im fortgeschrittenem Stadium, der in einigen Stunden im Gehörgang zu sehen und sein wahres Antlitz zeigen wird. Der Tag hat also alle Zutaten ein Guter zu werden. Und um 19.00 Uhr steht auch noch ein Empfang auf dem Programm. Absagen ist keine Option. Es sei denn, der lang erwartete Herzinfarkt stellt sich pünktlich gegen 18.00 Uhr ein. Aber darauf ist, wie auf viele andere Dinge des heutigen Tages, kein Verlass.

Wie eröffne ich ein Gespräch?
Nun ist es nicht jedem gegeben sich mitten in die Lobby eines Hotels zu stellen in dem besagter Empfang stattfindet und beherzt der versammelten Menge zu zurufen: „Sie kennen mich nicht, aber das wird sich jetzt ändern“ Unter dem Aspekt ungeteilter Aufmerksamkeit ist das zwar ein Volltreffer, birgt jedoch den großen Nachteil, dass die Anwesenden Ihren Namen nicht kennen. Das macht eine persönliche Kontaktaufnahme zu Ihnen im Laufe des Abends schwer.

Besser ist es daher die bewährte Kontaktaufnahme im kleinen Kreis zu wählen. Verzichten Sie jedoch zu Anfang auf Körperkontakt. Beherztes in-den-Arm-nehmen oder zärtliches Streicheln über das Kopfhaar Ihres Gegenüber sollte späteren Stunden vorbehalten bleiben. Hingegen ist die Nennung Ihres Namens als Einstieg schon mal eine gute Sache. Vielleicht auch noch zwei drei Sätze zu dem was Sie beruflich so machen. Aber seien wir ehrlich, so richtig prall ist das noch nicht. Ein bisschen mehr sollte es schon sein. Auch hier bietet sich der Rückgriff auf Bewährtes an. Zeigen Sie Interesse an Ihrem Gegenüber. Am besten über Fragen. Menschen mögen das, sie sprechen gern über sich.

Ach ja, vergessen Sie bitte nicht auf Ihre Stimmung zu achten. Es ist für ein gelungenes Gespräch überaus hilfreich authentisch zu sein. Heucheln Sie also nicht, Ihr Gegenüber merkt das. Falls Sie schlecht drauf sind, weil Ihr Auto kaputt und auch all die anderen Dinge passiert sind, lassen Sie die Leute teilhaben. Präsentieren Sie sich als authentische, echte Person. Das macht Sie interessant und wird Ihre Freundesliste bei Xing und Facebook in die Höhe treiben.

Mit diesen Fragen könnten Sie ein verheißungsvolles Gespräch eröffnen:

  • Sie sind ja so gar nicht der intellektuelle Typ, was interessiert Sie denn so?
  • So wie ich Sie einschätze wollen Sie bestimmt irgendwann einmal studieren, nicht wahr?
  • Sie haben ein schöne Krawatte, selbst gemacht?
  • Soll ich Ihnen jetzt was Alkoholfreies zu trinken mitbringen?
  • Sie kommen mir so bekannt vor, kenne ich Sie von der Rot-Kreuz-Kleiderkammer?

Sie werden sehen, noch nie hatten Sie mehr Aufmerksamkeit. Menschen die Sie erlebt haben werden sich Monate,- was sage ich, Jahre lang an Sie erinnern. Wer kann das schon von sich behaupten?

Natürlich braucht es ein bisschen Übung und die eine oder andere Gesprächseröffnung wird vielleicht nicht unbedingt Ihren Erwartungen entsprechen. Wenn Sie unsicher sein sollten ob es okay ist wie Sie das machen, lesen Sie das Buch „Miese Stimmung – Eine Streitschrift gegen das positive Denken“ von Arnold Retzer. Der Arzt und Psychotherapeut gibt gute Hinweise wie wichtig schlechte Stimmung für jeden Einzelnen von uns ist. Jetzt ahne ich auch weshalb die uralte Fernsehserie „Ein Herz und eine Seele“ mit Ekel Alfred Tetzlaff so erfolgreich war. Wer, außer den Miesepetern hat soviel Lebensfreude wie Ekel Alfred und wäscht seine Füße in der Kartoffelsalatschüssel?