In asiatischen Kulturen wird selten gelobt, in afrikanischen meist gar nicht. Nur in westlichen Kulturen ist es Sitte, davon ausgiebig Gebrauch zu machen. Doch nicht immer ist Lob eine gute Sache.

Das Wasser steht im Spülbecken, meine Frau daneben. Ihrem besorgten Ruf folgend: „Rolf, das Wasser läuft nicht mehr ab“ stelle ich mich vor das Becken und neben meine Frau. Mich an prähistorische Zeiten erinnernd, wo Männer dazu da waren, die technischen Seiten des Zusammenlebens zu gestalten, gab ich meine Einschätzung zu dem Problem ab. „Ja, da muss der Abwasserkanal verstopft sein“.

Meine Frau, gewohnt meine schnellen und profunden Analysen sofort gewinnbringend einzuordnen, behielt ihre Meinung (Das es nicht der Schornstein ist, sehe ich selbst du Depp) vorerst für sich. Nach etlichen Versuchen mit dem Sauger, wie ich jetzt weiß, heißen diese roten Dinger Pömpel und der Spirale des Nachbarn, war das Problem für den versierten Unternehmensberater klar. Die Sache muss delegiert werden. Am besten an den Klempner.

„Ja, da muss die Wand aufgemacht werden.“ Mit dieser Einschätzung verabschiedete sich der Mann vom Fach vom Ort des Geschehens um Material zu besorgen. Mein Angebot, in seiner Abwesenheit doch schon einmal mit den Arbeiten anzufangen und ein Loch in die Wand zu schlagen, begegnete er mit Norddeutscher Ausführlichkeit: „Ja.“ Endlich mal wieder körperlich arbeiten. Allein die Vorstellung versetzte mich in Hochstimmung. Mit Hammer und Meißel, ein richtiges Loch in die Wand schlagen. Dagegen verblasste jede Art von Schreibtischtätigkeit zu reinstem Kinderkram. Geradezu Spielerei.

Zwei Stunden später kam der Klempner zurück. Mein Loch war fertig. Quadratisch praktisch gut. Rundherum alles vom Abfall befreit konnte er sofort loslegen. Ich stand vor dem Loch. Stolz wie Oskar. Mein Gesicht, mein Körper, alles war auf das ebenso erwartete  wie voll und ganz berechtigte Lob eingestellt. Und mein Klempner, ganz der überschwängliche Norddeutsche Gefühlsmensch sagte lächelnd: „Dascha schon ganz gut“. Der Mann muss aus Asien kommen, wo sie mit dem Lob eher sparsam umgehen. Okay, das Loch war viel zu klein und auch an der falschen Stelle. Aber bin ich Klempner?

Nun kann ich nicht beurteilen ob die Klempnerinnung ihre Handwerker darin schult, Kunden mit der richtigen Form von Lob zu motivieren. Doch eines scheint sicher. Lob ist nicht in jedem Fall hilfreich oder gar motivierend. Wer erinnert sich nicht mit Grausen daran, wie der Chef jemanden vor versammelter Mannschaft lobt und diese arme Socke nachher, von denen die nicht gelobt wurden, mit Spott und Verachtung überzogen wird.

Oder das antreibende Lob. „Machen sie weiter, sie sind auf der richtigen Spur“, das nur zur Folge hat, noch mehr leisten zu müssen. Diese Formen „vergifteten“ Lobes sind alles andere als motivierend. Im Gegenteil, sie tragen dazu bei, dass Mitarbeiter auf Distanz gehen und sich nicht wertgeschätzt fühlen. Wer das vermeiden will, lobt zielgerichtet und unter vier Augen. Dieses Lob wird nahezu von allen Menschen geschätzt, weil es voraussetzt, dass sich der Lobende mit der Arbeit des Gelobten beschäftigt hat und weiß wovon er redet.

Allerdings gilt auch, das Lob von Außen die eigene Anerkennung nicht ersetzen kann. Forschungen an Kindern ergaben, dass es für die Kinder wichtig ist, dass sie selbst ihre Erfahrungen für gut befinden und nicht für alles von Eltern, Lehrern und Familie unreflektiert und über den grünen Klee gelobt werden. Für Carol Dweck, Psychologin an der Universität Stanford steht fest, dass übermäßig gelobte Kinder unsicher werden. Je älter sie werden, desto mehr gehen sie davon aus, das Mitleid der Grund ist, weshalb sie mit Lob überschüttet werden.

Eigentlich war ich mit der Arbeit meines Klempners total zufrieden. Aber das sag ich ihm jetzt nicht mehr. Er soll nicht denken, ich hätte Mitleid mit ihm.