Alle, von Google bis t-online, sorgen mit ihren Spamfiltern dafür, dass wir immer weniger Mailblödsinn erhalten. Das ist großartig. Allerdings hat es, wie alle tollen Dinge, seinen Preis. Man wird von den wirklich großen Geschäften ausgeschlossen.

1,25% Zinsen aufs Tagesgeld sind momentan ganz ordentlich. Bis damit die erste Million erwirtschaftet ist bleibt genügend Zeit mehrere Leben auszuprobieren. Wem das zu lange dauert kann es mit Glücksspiel, Hehlerei oder Drogenhandel versuchen. Allerdings neigt in dieser Branche der Wettbewerb durchaus zu der einen oder anderen kleinen Härte und die Gefängnisse streichen aufgrund der aktuell prekären Finanzlage ihr Wellnessangebot auch noch drastisch zusammen. Was bleibt dann noch um gutes Geld zu verdienen und vor allem wo kann man es verdienen?

Ich sag es nicht gern und schon gar nicht an dieser Stelle, weil es dann ja alle lesen und es kein Geheimtipp mehr ist. Richtig viel Geld lässt sich in Nigeria verdienen. Woher ich diesen Insidertipp habe? Von der Telecom. Sie hat kurzfristig und nur für einen kleinen erlauchten Kreis von Nutzern, zudem ich mich in aller Bescheidenheit auch zählen darf, die Spamrichtlinien gelockert und ein Angebot aus Nigeria in mein Postfach geleitet. Dort bietet mir Claude Omowela vom Word Finance Trust die Möglichkeit mal kurz auf 3,5 Millionen US- Dollar aufzupassen. Es soll auch mein Schaden nicht sein. Mir winkt eine ansehnliche Provision. Nein, nichts Kriminelles. Das Geld muss lediglich außer Landes geschafft werden. Damit die Sache über die Bühne gebracht werden kann, braucht Omowela nur ein paar Informationen von mir. Das ist doch nicht schlimm, die gebe ich Facebook ja auch. Und das Geschäft ist allemal besser als die 1,25% meiner Hausbank.

Doch wo Licht ist, ist meistens auch Schatten. Es gibt Leute wie meinen Freund Klaus die sagen, dass solche Geschäfte nicht nur unseriös sind, sondern glatter Betrug und wer sich daran beteiligt offensichtlich ein Depp besonderer Güte oder Berater ist. Was am Ende auf`s Gleiche hinausläuft, wie er meint. Auf der Suche nach einer seriöseren Meinung fand ich Cormarc Herley. Der Wissenschaftler (Studie) wollte genauer wissen weshalb die Drahtzieher dieser Masche solch hanebüchenen Geschichten erfinden um unbedarfte Berater über den Tisch zu ziehen. Um es verkürzt zu sagen, wer so verrückt ist die Nigeriageschichten zu glauben, hält auch die Erde für eine Scheibe und wird auch die weiteren Bedingungen akzeptieren und seinen sie noch so abstrus. Die wirtschaftliche Rechnung dahinter: Überzeuge nicht Hunderttausende mit einer irgendwie glaubwürdigen Geschichte (das kostet Zeit und Geld und schmälert den Profit) sondern suche die paar Deppen die glauben ein Nigerianischer Millionär gibt sein Geld mal eben her. Besonders empfänglich für die Masche sind die Alten. Jetzt ist mir auch klar, weshalb ich zum erlauchten Kreis zähle.

Allerdings funktioniert die Nigerianische Geldbeschaffung nicht überall. So bat ich meinen Freund Klaus mit mir gemeinsam einzusteigen und den großen Reibach zu machen. Ich war marketingmäßig und verkaufstechnisch ganz oben auf der Welle. Ich würde nie mehr arbeiten müssen, könnte mir endlich mal wieder einen Einkauf im Feinkostladen leisten und sämtliche offenen Stromrechnungen bezahlen. Was den unschätzbaren Nebeneffekt hätte wieder über fließend Warmwasser und Wohlgeruch zu verfügen. Die Zukunft stand glänzen wie der Eifelturm bei Nacht vor mir. Allerdings habe ich nicht ganz verstanden was Klaus mir damit sagen wollte als er sagte: „Schau mich an. Sehe ich etwa aus als würde ich mir die Hose mit der Kneifzange anziehen?

Gut. Wer nicht will der hat schon. Aber gleich morgen werde ich meinem Nachbarn das Geschäft seines Lebens anbieten. Du Manfred, ich hab da einen ganz heißen Tipp…. Gegen eine kleine Provision, versteht sich.