Sie hören lange zu, überlegen kurz bevor sie ihre Einschätzung zum Besten geben und versenken ein Problem, über das unsereins Tage wenn nicht gar wochenlang gegrübelt hat, mit einem Satz. Im Job sind diese Leute schon ein Quell der Freude, aber wenn Sie auch noch Zuhause auftauchen, wird`s richtig nett.

Nicht dass ich eine große Nähe zum Golfsport hätte, ich bevorzuge das lässigere Minigolf, aber die Sprache der Golfprofis hat es mir angetan. So stieß ich vor einiger Zeit auf den Begriff des Hole-in-one, auch HIO genannt. Dahinter verbirgt sich die nahezu geniale Leistung, den Ball vom Startpunkt mit einem einzigen Schlag ins Loch zu spielen. Und wie schwer das ist, weiß ich aus eigener Erfahrung im Minigolf. Ein HIO schaffe ich praktisch nur in den Abendstunden, wenn sich die Dämmerung auf den Platz gelegt hat und ich meine Hände zwar in Unschuld wasche, aber erst nachdem ich damit den Ball ins Loch gelegt habe. Meine Standarderklärung falls es jemand bemerkt: „Das war die Hand Gottes, nicht meine.“

Doch nicht nur auf den Golfplätzen dieser Welt werden HIO gespielt. Auch in der Sprache findet man sie. So gibt es Menschen die bei der Schilderung eines Problems aufmerksam zuhören. Anschließend überlegen sie ein wenig und geben dann ihre Meinung zum Besten. Und schaffen mit einem Satz, ein HIO. Keine Fragen offen, Problem beseitigt, alles erledigt. Ist wie beim Spiel Schiffe versenken. C4, getroffen und versenkt. Sie können nach Hause gehen. Und das Schlimmste an der Sache ist, dass man diese HIO Typen nicht erkennt. Weder tragen sie kurzärmelige Hemden oder braune Sandalen mit weißen Tennissocken, noch haben sie übergroße, abstehende Ohren oder andere Körperverformungen. Nein, sie sitzen einfach da, sehen aus als könnten sie kein Wässerchen trüben und warten nur darauf einzulochen.

Die Leute im Besprechungsraum schauten mir interessiert dabei zu, wie ich versuchte mein Laptopbild via Beamer auf die Leinwand zu übertragen. Der Unterhaltungswert für die Anwesenden stieg sekündlich, denn nichts ist so erfrischend wie einen Unternehmensberater beim Scheitern zu beobachten. Dreckszeug, Scheißkiste, Mist-PC, diese Kosenamen für meinen Laptop passten erstaunlich gut zu meinem wilden Agieren auf der Tatstatur. F8 drücken, STRG plus F8, einfach mal mit der flachen Hand auf alles gleichzeitig drücken und das Gerät in kurzer Abfolge auf den Tisch knallen, all das brachte keine wirkliche Besserung. Dann besann ich mich auf eine der größten Stärken des gemeinen Beraters und sagte: „Ich habe keine Ahnung was los ist, kann mir mal jemand helfen?“ Erst Schweigen, dann folgte aus den hinteren Reihen die Frage, ob ich denn schon F8 gedrückt hätte. Mein Einwand, dass die Taste F8 schon längst nicht mehr existiere, so sehr habe ich sie schon bearbeitet, fand allerdings keine nennenswerte Beachtung. Dann kam von dem Herrn vorn rechts, lächelnd und entspannt ein kurzer Hinweis: „Herr Schröder, möglicherweise sollten sie einfach das Verbindungskabel vom Beamer in ihren Laptop stecken. Meistens reicht es nicht aus, wenn das Kabel nur vor dem Anschluss liegt.“

Dem Dithmarscher Troll auf meiner Schulter schenkte ich keinerlei Beachtung, obwohl er sich lautstark bemerkbar macht. „Los Schröder, du alte Pfeife. Geh hin und schlag ihm deinen Laptop über die Rübe und steckt ihm das Beamerkabel mit der Bemerkung in den Rachen, er wäre jetzt für die Bildübertragung zuständig und könnte ja mal nachschauen ob alle Anschlüsse richtig eingestöpselt sind.“ Aber wie gesagt, Dithmarscher Trolle haben in kultivierten Besprechungen keinerlei Rederecht.

Menschen wie den Herrn rechts vorne muss Peter Drucker, ein amerikanischer Managementforscher, gemeint haben wenn er über den Unterschied von Effektivität und Effizienz sprach. Die richtigen Dinge zu tun ist effektiv, die Dinge richtig zu tun ist effizient. Wer das beherzigt kommt zu einem HIO. Größtmöglicher Ertrag bei geringstmöglichem Aufwand.

Obwohl Drucker schon seit einigen Jahren tot ist, muss er doch noch Vorlesungen halten die auch meine Frau besucht haben muss. Anders ist nicht zu erklären, weshalb sie zu einem perfektem HIO Profi geworden ist. Nachdem ich vor kurzem gelesen hatte, dass die Verkehrssünderkartei in Flensburg reformiert und es bald 3 Punkte für`s Drängeln auf den Straßen geben soll sagte ich zu meiner Frau: „Die wollen jetzt diesen aggressiven Schnellfahrern und Dränglern ans Leder. Wahrscheinlich ändern sie das Gesetz nur wegen mir, weil ich so`n wilder Hund bin.“  Worauf meine Frau, eine Spur zu belanglos wie ich fand, ja fast schon ein wenig mitleidig, antwortete: „ Und das trifft auf dich zu?“ Diese HIO Typen können einem jeden Rest von Selbstbewußtsein aus den Knochen prügeln.