Facebook verändert die Welt. Jeder ist mit jedem befreundet. Soziale Schranken fallen. Plötzlich ist man mit Kollegen befreundet, die Eltern wollen nicht mehr Eltern sein, sondern Freunde und Oma und Opa mischen auch ordentlich mit, in der schönen neuen Welt. Und das kann zu allerlei Krämpfen führen.

Es gibt Sätze die ich nie sagen wollte und meide wie der Teufel das berühmte Weihwasser. „Solange du die Füße unter meinen Tisch steckst“ gehört eindeutig in diese Kategorie. Einen anderen Satz habe ich allerdings aus der Verbannung der Unaussprechlichkeit zurück geholt. „Das gehört sich nicht“. Dieser Satz war mit meiner Jugend verbunden wie Kaugummi mit der Fußsohle. „Kaue nicht an den Fingernägeln, klaue keine Brötchen aus dem Hausflur des Nachbarn, nenne deinen dicken Spielkameraden nicht Fettbacke und klebe die Autotürschlösser deines Lehrers nicht mit Sekundenkleber zu“. Das alles macht man nicht. Also, alles was Spaß macht, macht man nicht. Wie schade.

Aber alles was Spaß macht möchte man mit seinen Freunden teilen. Die letzte Nacht, die ein Gefühl im Kopf hinterlassen hat, als würde eine Horde Zwerge dort mit Presslufthämmern unentwegt Eisenerz abbauen. Und erst die Fotos vom Mittelmeerurlaub, die in ihrer fröhlichen Ausgelassenheit an Selbstversuche mit Epilepsiemedikamenten  erinnern. Kollegen, Chef`s, Eltern und Großeltern erfuhren in der Vorfacebookzeit davon nichts, sondern nur die Dinge, die sie auch ohne Beruhigungspillen vertragen konnten. Alles andere malten sie sich bei Bedarf aus oder auch besser nicht. Die Welt war geordnet und alle waren zufrieden.

Doch was wenn heute der Kollege aus der Nachbarabteilung, mit dem man das eine oder andere Mal zum Essen war, plötzlich ein Freund sein will? Oder der junge smarte Chef, der obwohl schon Mitte dreißig, sich voller Stolz zur Generation Y zählt, den 18 – 27- Jährigen? „Wir sind halt ein Team, da sind wir ja von Haus aus Freunde, oder?“ Einfach ablehnen, geht das? Womöglich hält uns dann der Kollege für ein arrogantes Arschloch und der Chef findet, dass man unter mangelnder Teamfähigkeit leidet. Beides ist für ein gedeihliches Arbeiten nicht die allerbeste Voraussetzung. Wer dachte es kann nicht schlimmer kommen, hat sich getäuscht. Es gibt schließlich Eltern und Großeltern. Nein, sie wollen nicht mit ihren Kindern gemeinsam einen Zug durchs nächtliche Viertel machen, obwohl das mittlerweile auch nicht undenkbar ist. Sie wollen nur mit ihren Kindern befreundet sein und schicken fröhlich Freundschaftsanfragen. Und was machen die Kinder, die Enkel? Sie winden sich in Krämpfen, als hätte ihnen eine Klapperschlange mal eben die Giftzähne mit voller Wucht in den Unterschenkel gerammt. Freundschaftsanfragen annehmen, oder was?

Ja. Denn im Prinzip kann man ohne Gefahr jeden annehmen. Man macht dann eben eine Liste für Arbeitskollegen, eine für enge, eine für entfernte Freunde und eine für Eltern und Großeltern. Jeder bekommt zu sehen, was er oder sie sehen soll. Allerdings darf man nicht darauf bauen, dass die neuen Freunde diesen geschickten Sortiervorgang nicht bemerken. Sie werden sehr schnell begreifen, dass sie von den schönen gemeinen Fotos ferngehalten und ihnen die letzten Absturzgeschichten vorenthalten werden. Sie werden praktisch aus allem was interessant und wissenswert ist verbannt und sich bald gelangweilt verabschieden. Und das ist auch gut so. Denn diesen Preis zahlt, wer sich nicht vorher überlegt in welche Zwickmühle er oder sie Menschen mit einer Freundschaftsanfrage bringen kann.

Meiner Meinung nach sollten Kollegen nur zu Freunden werden, wenn sie im echten Leben auch Freunde sind. Chef`s sollten nie zu Freunden werden, weil sie im echten Leben auch nie zu Freunden werden sollen. Daher verbieten sich Freundschaftsanfragen an nachgeordnete Mitarbeiter von selbst. Eltern und Großeltern sollten nur zu Freunden werden, wenn ihre Kinder und Enkel sie dazu auffordern und sie sollten sich fortan jeden Kommentars, zu dem was sie dann lesen und sehen, enthalten. Anderenfalls sorgen sie für Krämpfe in den Unterschenkeln ihrer Kinder und Enkel. Und das gehört sich nicht.