Um ein Spitzenteam zu formen braucht es nicht viel. Ein Trip in die Berge reicht aus um die Spreu vom Weizen zu trennen. In dünner Luft zeigt sich schnell wer Blender und wer Topleister ist.

Nicht nur die normalen Angestellten nutzen die Kraft des Teams um am Berg über sich selbst hinaus zu wachsen. Auch die deutsche Wirtschaftselite weiß um diesen Vorteil. Wer beruflich es bis ganz nach oben geschafft hat, den zieht es in die Berge, echte Gipfel besteigen. Da wollte der gemeine Berater natürlich nicht hinten an stehen und machte sich mit Gleichgesinnten auf den Weg nach ganz Oben. Es hätte ein voller Erfolg werden können, wenn nur die Kurzbeinigen nicht gewesen wären.

Jedes ambitioniertes Team gibt sich einen verbindenden Namen. Das steigert das Wir-Gefühl. So einen wohlklingenden wie ihn z.B. die Leute um Reinhold Messner haben. Sie nennen sich die Similauner. Da schnallen dann der Telekom Chef Rene Obermann, Henkel Boss Casper Rorstedt, Adidas Vormann Hebert Hainer und eine Handvoll weiterer Vorstandsvorsitzende ihre Rucksäcke und ab geht`s in die Berge. Gemeinsam Herausforderungen meistern.

Auch wir haben solch einen wohlklingenden Namen. Wir nennen uns “Du und die zwei anderen”. Zugegeben, auch wenn ich die Urheberschaft für dieses Kleinod deutscher Sprache gern selbst beanspruchen würde, so muss doch gesagt werden, dass er vom Angestellten der Bergführerzentrale kommt. Nachdem ich mich morgens dort einfand und ihn fragte wer den alles so dabei ist, sagte er mit schöner norddeutscher Ausführlichkeit: “Du und die zwei anderen.

Natürlich haben auch Du und die zwei anderen, ganz wie die Similauner, einen Bergführer dabei. Nicht Reinhold Messner sondern Ivo. Ein Kerl von 1,80 m, dessen 70 Kilo sonnengegerbtes, sehniges Kampfgewicht ohne erkennbares Unterhautfettgewebe keinen Spaziergang erwarten lassen. Ganz der fürsorgliche Bergführer wischt er meine ersten Konditionsschwächen mit einigen aufmunternden Sätzen beiseite. Ihr müßt wie die Katzen laufen sagt er, sicher und leise. Und macht keine Pausen, das kostet zuviel Kraft. Thomas, ein Mitwanderer stößt zwischen zwei hechelnden Atemzügen hervor: Schön und gut, aber Katzen wiegen aber auch keine 95 Kilo. Eine berechtigte Anmerkung wie ich finde, lässt man Bengalische Königstiger als eher untypische Katzenart in der Tiroler Bergwelt einmal außer acht.

Je näher wir dem Gipfelkreuz kommen desto deutlicher treten die Nebenwirkungen zutage. Nach oben wird es nämlich immer steiler und nach unten immer tiefer. Für jemand wie mich, der schon beim Besteigen eines Hockers Höhenangstattacken abwehren muss, sind einige hundert Meter Abgrund kein Grund Freudenschreie auszustoßen.

Ganz anders mein Mitwanderer Anton. Trotz seiner vergleichsweise kurzen Beine steht ihm kein Tropfen Schweiß steht auf der Stirn. Während unsereins röchelnd wie alte Dampflok qualvoll stirbt sieht er aus als schlendere durch einen Supermarkt auf der Suche nach einem Liter Milch. Und wann immer sich ihm senkrechte Wände oder ähnlich widerliche Hindernisse in den Weg stellen, bricht er in Jubel aus. “Rolf schau, ist das nicht wunderbar?” Meine Begeisterung bleibt verhalten, muss sie sich doch mit der Lunge um die letzten verbliebenen Atemzüge prügeln.

Eigentlich habe ich nichts gegen Kinder, nein ich liebe sie geradezu. Und einige von ihnen sitzen mit schöner Regelmäßigkeit in unserer Küche und fallen, wie kleine Engerlinge, über den Inhalt des Kühlschranks her. Putzig diese Kleinen. Doch in den Bergen mache ich ab jetzt einen großen Bogen um sie.

Mein Mitwanderer Anton ist 9 Jahre alt und hat uns bei der über siebenstündigen Klettertour gezeigt, wo der Barthel den Most holt.

Wer mehr über Grenzen und Möglichkeiten von Outdoor-Training im Rahmen der Personalentwicklung erfahren möchte, findet in der Untersuchung von Fritz Moser, Universität Bern, eine Fülle von Informationen.