„Morgen ist auch noch ein Tag“ ist nicht unbedingt die beste Haltung wenn es darum geht gesteckte Ziele zu erreichen. Mit dieser Einstellung wird es schon schwer genug zur nächsten Bushaltestelle zu kommen, geschweige denn zur nächsten Gehaltserhöhung. Wer mehr erreichen will, sollte es mal mit der Terriereinstellung versuchen.

Gemeinhin gilt hohe Intelligenz gepaart mit einem ordentlichen Schuss Talent, ein wenig sozialer Kompetenz, gern auch noch einem Quäntchen gutem Aussehen als ideale Grundlage um im Leben erfolgreich die selbst,- bzw. von anderen gesteckten Ziele zu erreichen. Allerdings gibt es noch ein weiteres wichtiges Element das bisher eher ein Schattendasein führte. Die Rede ist hier vom Biss. Nicht vom Über,- oder Schlangenbiss, sondern von der Eigenschaft etwas unbedingt erreichen zu wollen. Bekannt auch unter dem Begriff Volition.

Die Wissenschaftlerin Angela Duckworth von der Universität Pennsylvania versteht darunter die Ausdauer und Begeisterung langfristig Ziele zu verfolgen. Um herauszufinden wie wichtig Biss bei der Erreichnung von Zielen ist, hat sie Kinder untersucht. Einerseits wollte sie wissen über wieviel Biss sie bereits verfügen und wie hoch ihr Intelligenzquotient ist. Dabei fand sie heraus, dass Biss für den Erfolg entscheidender ist als der Intelligenzquotient.

Keine Ahnung wie lange Kinder schon auf Biss als Lösungsansatz setzen, Terrier sind schon lange von dessen Vorzügen überzeugt. Um den Postboten daran zu hindern, allzu tief auf das geliebte Territorium zu gelangen beißen sie beherzt in dessen Wade und lassen einfach nicht mehr los. Intelligenzquotient hin oder her, das Ziel zählt. Und das ist nun mal die Wade.

Doch nicht nur Terrier sind vom Biss überzeugt. Auch die Berater wissen um die Vorzüge. Vor einiger Zeit war ich in Hamburg-Eppendorf zum Essen verabredet. Ein gutbürgerlicher Stadtteil mit viel Altbausubstanz, wunderschöner Architektur und einer großen Anzahl wirklich guter Restaurants. Freier Wohnraum ist hier allerdings so häufig anzutreffen, wie Weißkopfadler in der U-Bahn. Noch seltener sind nur noch Parkplätze. Es soll Autobesitzer geben, die ihr Fahrzeug noch kein einziges Mal bewegt haben, aus Angst tage- oder gar wochenlang Parkplatzlos umherzufahren.

Mein Navi trällert fröhlich wie immer: Sie haben ihr Ziel erreicht. Wunder, denke ich mir. Aus dem Wagenfenster sehe ich links das gesuchte Lokal. Natürlich war kein Parkplatz zu sehen. Aber das war ja klar. Kennt man doch. Nicht so schlimm, in den Seitenstarssen ist immer etwas frei. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch lebensfroh und dachte nicht daran, meinem Leben oder gleich dem ganzen Stadtteil ein Ende zu setzen. Fröhlich fuhr ich durch die Seitenstraßen in der Gewissheit über kurz oder lang einen dieser begehrten Parkplätze zu finden. Nach 20 Minuten hatte die Stimmung im Auto ihren Siedepunkt erreicht. Ich war bereit mein Auto im nächsten Schaufenster oder irgendeiner Tielpaterrewohnung zu parken. Ersatzweise auch auf den Schienen der Straßenbahn. Während meine Gäste schon den Hauptgang in Angriff nahmen, konkretisierten sich bei mir Pläne Eppendorf dem Erdboden gleich zu machen. Okay, das gibt zwar schnell eine Menge freien Parraumes, ist aber dann doch keine anerkannte und akzeptierte Lösung. Besser ist es dran zu bleiben und das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Komme was da wolle. In meinem Fall nach 45 Minuten eine Tiefgarage, 20 Minuten vom Lokal entfernt. Biss zahlt sich eben aus.

„Hast du schon gesehen Rolf, direkt vor dem Lokal ist ein freier Parkplatz“. Herr Ober, bitte einen Wein für mich und die Rechnung für meinen Freund. Er muss leider gehen.