Es gibt sie, Menschen die sich von nichts und niemanden beirren lassen. Sie sind bei allem was sie tun, hoch konzentriert. Auch wenn sie den Müll runter bringen sollen. Von diesen Profis der Fokussierung können wir eine Menge lernen.

Mann kann manche Leute mit einer komplizierten Excelkalkulation in den Wartebereich einer Bahnhofshalle setzen und sie vertiefen sich in ihre Tätigkeit. Neben ihnen können Menschen von Schlaganfällen dahin gerafft oder von marodierenden Banden entführt werden, sie würden es nicht merken. Sie sind ganz und gar auf ihre Aufgabe konzentriert.  Und es gibt die Anderen, die absolute Ruhe benötigen, um sich einer schwierigen Thematik voll und ganz widmen zu können.

In unserer hektischen und meist lauten Zeit haben es besonders die Letztgenannten schwer. Wo finden sich heutzutage noch solche Oasen der Ruhe, in denen nicht ständig das Telefon klingelt, oder mal eben jemand, natürlich ohne anzuklopfen, rein kommt? In der Aufbahrungshalle des örtlichen Friedhofs, vielleicht. Aber dort zu arbeiten ist nicht Jedermanns Sache. Besser wäre es, sich zwei Tricks von den Konzentrationsprofis abzuschauen. So habe ich es jedenfalls gemacht. Seither ist die Aussage „Sie müssen sich fokussieren, Schröder“ für mich nicht mehr blödes Geschwätz Mehrfachkluger, sondern heiliger Gral der Eigenoptimierung.

Regel Nummer Eins. Ausblenden von Unwichtigem.
„Wenn du runter kommst, bring bitte den Müll mit. Den kannst du, bevor du in die Schule gehst, in die Tonne werfen“. Das sagte ich unserer Tochter und hörte ein freundliches „Jaha, mach ich“. Der Müll, schön rund in einem Plastiksack eingefangen lag vor der Haustür. Unsere Tochter, bereit zu gehen, hatte das wichtigste Kleidungsstück schon in Betrieb, den iPod. Sie nickte freundlich und ging mit einem ebenso großen, wie eleganten Schritt über den Müll hinweg und verließ das Haus. Konzentration pur.

Regel Nummer Zwei. Sanktionen aushebeln.
„Wolltest du heute Morgen nicht den Müll mit runter nehmen?“ Um diesen rhetorischen Fallstrick, dieser schwachen Einleitung eines Tadels zu entgehen, greift der Profi zum Charming. „Upps, das hab ich ganz vergessen. Tut mir leid. Beim nächsten Mal“. Profis sind auch nicht dadurch zu beeindrucken, dass man ihnen den Müllsack ins Zimmer legt. Dort wird er nämlich ähnlich konsequent ausgeblendet, bzw. wieder vor die Haustür, für den nächsten Tag gelegt.

Wer sich derart auf eine Sache konzentriert wird nie wieder Probleme haben, seine Dinge gezielt zu erledigen. Und zwar in jeder Umgebung und Situation. Gleichgültig ob dort nun Müll rum liegt oder nicht. Okay, die eine oder atmosphärische Störung mag durchaus auftreten. Es mag sogar Menschen geben, die dann behaupten man wäre faul, gedankenlos und ein Kameradenschwein. Aber das sind doch nur Randerscheinungen.