Wir wissen es doch nun alle, Call-Center sind kompetenzfreie Zonen. Wen wunderst, dass Kunden darauf mit unverhohlenem Ärger reagieren und die Mitarbeiter beschimpfen. Was allerdings weder für die eine noch die andere Seite ein Gewinn ist. Fortschrittliche Unternehmen gehen hier ganz neue Wege. Sie beschimpfen sich selbst.

Sie werden noch nicht verhauen, aber das ist vermutlich dem Umstand geschuldet, dass zwischen Kunde und Mitarbeiter noch ein paar Meter Telefonkabel sind. Beschimpfungen und Bedrohungen sind jedoch an der Tagesordnung. So waren 2004 bereits 59% und 2012 bereits 81% der Angestellten durch die Konflikte mit den Kunden verunsichert. 66% fühlten sich beleidigt und 51% bedroht. Diese Ergebnisse liefert der neue Kunden-Konfliktmonitor der Hochschule Darmstadt. Insgesamt keine ermutigenden Zahlen. Das dachte sich wohl auch die Telekom und schaffte auf eine raffinierte Art und Weise Abhilfe.

Was macht ein Sklave neuzeitlicher Arbeitsmittel wie ich, wenn das Internet ausfällt? Er läuft Amok. Erst im Haus, die ausgiebigen Kratzspuren an den Tapeten sind nicht von der Katze, dann am Telefon, Störungsstelle der Telekom. Damit ich dort nicht mit der gesamten Energie eines Drogenabhängigen, dem die Spritze mit der Tagesration gerade in den Gulli gefallen ist aufschlage, atme ich dreimal tief durch. Nach einer halben Stunde hatte ich es mit sieben unterschiedlichen Abteilungen zu tun. Alle außergewöhnlich freundlich. Wir wurden fast so etwas wie eine verschworene Gemeinschaft im Kampf gegen das Böse. Es gab nur einen kleinen Unterschied, sie hatten Internet und ich nicht. Und diese Erkenntnis muss sich in meiner Stimmung niedergeschlagen haben. Anders ist die Aussage eines Mitarbeiters des technischen Dienstes, ich solle mal ruhig bleiben, nicht zu deuten.

Allerdings gab mir dieser Mitarbeiter eine Telefonnummer der Abteilung die solche Probleme wie meines beseitigen würde. Eine direkte Durchwahl. Er tat dabei so, als würde er mir die Handynummer von Barak Obama aushändigen. Ich hielt in meinen Händen also die Lösung all meiner Probleme. Ich würde in wenigen Minuten wieder ans Netzt kommen. Die Entzugsschmerzen wären beendet und eine wohlige Normalität würde sich in mir ausbreiten.

Meier. Der Mann der sich mit diesem Namen meldete heißt im wirklichen Leben anders, doch hier nenne ich ihn Meier.

Meier.
Schröder: Guten Morgen Herr Meier. Schröder mein Name. Ich habe ein Problem mit dem Internet.
Meier: Das hier ist keine öffentliche Nummer.
Schröder: Die hab ich vom technischen Dienst.
Meier: Verdammte Scheiße. Was ist das denn für ein Saftladen hier. Kann denn hier jeder Idiot machen was er will. Die sind doch alle total bekloppt. Das geht doch nicht. Sodom und Gomorrha ist Gold dagegen. Man sollte den ganzen Laden dicht machen und im Ko runter spülen.

Nie vorher in meinem Leben habe ich mich so verstanden gefühlt, wie von Meier. Alles, aber wirklich alles was er sagte sprach mir nicht nur aus dem Herzen, sondern es war auch noch goldrichtig. Der Mann weiß was Kunden hören wollen.

Ich glaube ja Meier ist der Mann fürs Grobe, für die ganz schwierigen Fälle. Und ich beglückwünsche die Telekom zu ihrer Strategie, den Ärger der Kunden aufzulösen indem sich das Unternehmen selbst pulverisiert. Weiter so.

PS
Internet ging nach zwei Tagen wieder. Meier sei Dank.