Die einzige Konstante im Universum ist die Veränderung philosophiert Heraklit von Ephesus so vor sich hin. Er hat gut reden, ist er doch schon über 2000 Jahre tot und kann für seine leichtsinnigen Aussagen nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden. Denn diese dauernden Veränderungen machen Menschen krank. Wer`s nicht glaubt, kann gern den Kühlschranktest machen.

Ein Krankenhaus das nicht ständig baut, ist ein totes Krankenhaus und ein Unternehmen das sich nicht ständig neu erfindet, ist bald ein ebenso totes Unternehmen. So denkt nicht nur der Einkaufsmanager eines Klinikverbundes, von dem ich diese Aussage habe, sondern vermutlich auch viele andere Führungskräfte. Möglicherweise ohne sich Gedanken darüber zu machen, was der ständige Wandel für die Mitarbeiter bedeutet.

Aber dafür gibt es ja die Dänen. Genauer den Ökonomen Michael Dahl von der Universität Aalborg. Er hat sich in einer Studie* mit den Auswirkungen von Reorganisationen auf die Mitarbeiter beschäftigt. Und sein Befund ist alles andere als berauschend. Ein zu viel an Veränderung macht die Menschen krank. Sie leiden z.B. häufiger als andere an Depressionen und Schlaflosigkeit. Die Datenauswertung der 93.000 Beschäftigten hätte er sich ersparen können, wenn er den Kühlschranktest gemacht hätte.

Wir beherbergen in unserem Haushalt einen Kühlschrank modernster Art. Mit allem was das kalte Herz so begehrt. Bio-fresh, Clima-control, No-frost und sich mit der Zeit selbst zerstörende Schubfächer. Mit den Wochen und Monaten der Nutzung hat sich von Menschenhand nahezu unbeeinflusst auch eine innere Lagerungslogik entfaltet. Alles hat seinen angestammten und von der Evolution dafür vorgesehenen Platz. So wie die Erde um die Sonne kreist und nicht umgekehrt, befindet sich die Butter rechts im mittleren Fach und nicht oben links. Der Vorteil liegt auf der Hand. Ein solcher Kühlschrank zwingt zu keinerlei Denkleistungen und ermöglicht das Brote schmieren im Dunkeln selbst bei dem Vielfachen eines 0,8 Promille Blutalkoholspiegels.

Allerdings verkehren sich die Vorteile mit wenigen, zielgerichteten Eingriffen nicht nur in ihr Gegenteil, sondern haben weit verheerendere Auswirkungen. Nachdem ich einige Tage verreist und froh war wieder Zuhause zu sein, freute ich mich auf etwas Essbares. Eine Kleinigkeit nur, einen griechischen Joghurt vielleicht. Mit einer fließenden Bewegung öffnete ich mit einer Hand die Kühlschranktür und griff mit der anderen nach dem Joghurt. Doch statt auf dem runden Becher  landete meine Hand in einer Schale mit Weintrauben. Allerdings war das erst der Anfang. Das Kühlschrankuniversum war buchstäblich explodiert. Rein gar nichts war mehr an seinem Platz. Wo vor Kurzem noch die Butter stand lagen nun Bananen. Statt Senf fand sich ein Brotkorb an dessen Stelle und die Margarine hatte sich in Sesamcreme verwandelt.

Marder sollen ja angreifen wenn man sie in die Enge treibt, der geneigte Berater entwickelt Interventionen.  „Ah, das ist aber übersichtlich angeordnet“ oder „Tolle Sache, hier hat sich sicher jemand etwas dabei gedacht“ und schon eine Spur mehr mardermäßig „Wer war das?“. Doch gelegentlich tut es auch die gute alte Vietkong Taktik. Freundlich in den Untergrund gehen und den Gegner dort treffen wo er es nicht erwartet. Allerdings nicht ohne zuvor eine ToDo-Liste** erstellt zu haben.

  1. Medikamente einnehmen um Schlafstörungen und Depressionen zu bekämpfen.
  2. Außer Haus Termine für die nächsten 6 Monate absagen.
  3. Wecker stellen um in nächtlichen Aktionen einen Rückbau der Veränderungen vorzunehmen.
  4. Argumente entwickeln um den Rückbau abzustreiten.
  5. Tisch reservieren um die geglückte Re-Reorganisation zu feiern.
*Studie von Michael Dahl: Organizational Change and Employee Stress.

**ToDo-Liste übernommen aus: Ho Chi Minh und der Kühlschrank. Handbuch für die erfolgreiche Bewältigung nichtsnutziger Änderungen.