13.00 Uhr und ein wolkenloser Sommertag in Deutschland. Der Besprechungsraum hatte die Temperatur einer sizilianischen Backstube und mein Oberhemd war so nass wie ein Feudel vor dem Auswringen. Kein Problem, wir verlegen unsere Besprechung nach draußen in den Garten unter den schattenspendenden Eichenbaum. Ich hätte ebenso gut zu den anwesenden Führungskräften sagen können: „Bitte gehen sie in den 12 Stock, springen sie vom Balkon und rufen dabei laut Hosianna“. Es herrschte tiefe Ratlosigkeit darüber ob ich einen Hitzschlag hatte oder einfach nur bekloppt bin.

Dabei lag der Vorteil auf der Hand. Es ist kühler unter dem Baum, die Konzentration steigt und es spricht und denkt sich leichter wenn nicht ständig ein halber Liter Schweiß in den Schuhen steht. Doch es gibt noch eine andere Seite. Was würden die Leute denken, die dort ein halbes Dutzend Menschen aus der Managementetage des Unternehmens unter einem Baum sitzen sehen. „Das ist mal wieder typisch, das sind doch diese Leute die den ganzen Tag nichts tun und jetzt machen die auch noch Picknick während wir uns den Arsch abarbeiten“. Verständlich dass niemand in den Garten wollte.

Verständlich heißt aber nicht dass es richtig war. Es gibt Arbeitsplätze die nicht verlassen werden können. Niemand kann einen OP-Tisch in den Garten verlagern oder beliebig Betten auf den Rasen schieben. Es gibt aber eine Menge Arbeiten die verlagert werden können. Dazu zählen z.B. Besprechungen und Arbeitsgruppen. Sie sind in der Regel nicht an einen Ort gebunden, können somit ebenso im Garten wie im Restaurant oder in der Hotellobby stattfinden. Das passiert täglich und ist nichts Ungewöhnliches. Allerdings gibt es einen zentralen Unterschied, die Besprechung im Garten sehen alle, die Besprechung im Restaurant nur wenige und die sind in der Regel Teilnehmer der Besprechung.

Doch wie sollen Mitarbeiter dafür gewonnen werden eingefahrene Wege zu verlassen, wenn sich das Management nicht traut hier voranzugehen. Wenn es keinen sachlichen Grund dafür gibt eine Besprechung in überheizten Räumlichkeiten abhalten zu müssen, dann ist sehr sinnvoll sich die schönsten Plätze dafür zu suchen. Zum Beispiel unter einem Baum mit einem kalten Glas Wasser in der Hand. Wenn das Management diese Haltung vorlebt werden sich die Mitarbeiter auch nicht mehr scheuen das zu tun. Denn sie haben ebenso mit dem Problem der Akzeptanz zu kämpfen.

Es gibt nämlich genügend Chefs die aus ihren Büros (Morgens der Erste und abends der Letzte) heraus mit Argwohn (Was machen die denn da?) einer Gruppe von Mitarbeitern zuschaut die sich im Garten versammeln. Es sei denn es ist die Gruppe Rhythmische Sportgymnastik oder ein Gruppe von Auszubildenden denen noch eine gewisse Narrenfreiheit zugebilligt wird. Aber ein Teamgespräch einer Station? Sind da auch die Patienten richtig versorgt? Und was sollen eigentlich die Besucher denken? Das geht doch nicht.

Nur wer ständig den Eindruck erweckt Höchstleistung zu erbringen, niemals Zeit zu haben und ständig am Rande des Kollaps zu sein, nur der arbeitet richtig. Unter einem Baum sitzen, reden, denken, sich und die Sache entwickeln ist keine Arbeit, das ist Vergnügen. Stimmt und das sollte Arbeit auch immer sein, wenn wir sie lange machen wollen. Alle Mann in den Garten.