Die Menschheit entwickelt sich stetig weiter weil sie wichtige Fragen stellt. Nach dem Urknall, dem Sinn des Lebens oder dem besten Bäcker der Stadt. Dabei ist das Stellen einer Frage im Gegensatz zu ihrer Beantwortung eine vergleichsweise einfache Übung. Aber so richtig klasse wird es erst dann, wenn man meint die Antwort eigentlich wissen zu müssen, sie aber nicht kennt. Was dann? Hustenanfall vortäuschen, den Fragenden niederschlagen oder mal eben kurzweilig den Sinn des Lebens erläutern?

Neulich sollte ich einen Vortrag über die zukünftige Rolle des Managements im klinischen Bereich der nächsten 15 Jahre halten. Gebauchpinselt und geschmeidig wie ein Zäpfchen glitt ich von meinem Bürostuhl um gleich darauf den nackten Boden der Realität zu betreten. 15 Jahre, Management, Klinik… Was weiß denn ich! Ich weiß ja noch nicht einmal wo ich meinen Haustürschlüssel hinlege, wie soll ich da wissen was in 15 Jahren irgendwo morgens um 10.00 Uhr in Deutschlands Kliniklandschaft passiert. Aber ich bin Berater in der Gesundheitswirtschaft, ich sollte das vielleicht wissen.

Und mein Sohn, der zurzeit in England studiert, schlägt brutal in die gleiche Kerbe. „Weshalb sind in meinem Badezimmer zwei Wasserhähne?“ Ja was weiß denn ich… Weil die Engländer erst vor kurzem angefangen haben sich zu waschen und noch ein wenig ungeübt darin sind, wie viele Hähne sie dafür brauchen. Natürlich könnte ich mir auch ein Beispiel an anderen Menschen nehmen. So habe ich einmal im indischen Mumby einen Passanten nach dem Weg gefragt. Ausführlich, mit zahlreichen Gesten und dem freundlichsten Lächeln das ich bis dahin gesehen habe, wies er mir den Weg. Erst Stunden später, nach einer längeren Taxifahrt in die entgegengesetzte Richtung, wurde mir klar, der Typ hatte keine Ahnung. Doch diese indische Höflichkeit, Auskunft auch dann zu erteilen wenn man keinen blassen Schimmer hat, habe ich auch in Deutschland und anderen Ländern erlebt.

Es muss irgendwas dran sein, stets als kompetent und allwissend gelten zu wollen. Anders ist nicht zu erklären, weshalb nicht mehr Menschen auf Fragen, auf die sie keine Antworten haben simpel sagen: „Weiß ich nicht.“ Ich kann jetzt gerne Vermuten anstellen, ob die aber richtig sind, weiß ich nicht. Ich würde das sehr charmant finden. Dann müsste die nette Bäckereiverkäuferin keinen roten Kopf bei der Frage: Ist da Weizen drin? mehr bekommen. Stattdessen könnte sie lächelnd sagen: Weiß ich nicht, aber ich schaue gern auf der Banderole nach. Wir können nicht alles wissen, auch nicht auf dem Gebiet wo wir es eigentlich sollten.

OK, alles hat seine Grenzen. Ungern hätte ich von einem Arzt auf die Frage: Wie werden Sie mir den Blinddarm rausnehmen? die Antwort: Weiß ich nicht. Aber ich schaue gern mal im Lehrbuch nach. Hier wünsche ich mir sehr den indischen Weg: Also, dass mache ich folgendermaßen…

Ein weitere schöne Frage ist die danach, was es auf sich hat mit dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest. Dazu hier mehr…