„Das hält ja ewig. Sind Sie verrückt geworden?“

Mein ganz großer Traum so der Titel eines wundervollen Films, zeigt wie der Fußball nach Deutschland kam. Mein ganz großer Traum in den 1960zigern waren richtige Fußballstiefel. Solche aus Leder mit Schraubstollen und natürlich mit drei weißen Streifen an der Seite. Adidas. Sie zu besitzen bedeutete ganz oben angekommen zu sein und ein ganz tiefes Loch in die Haushaltskasse der Familie gerissen zu haben. Letzteres fand ich nicht so dramatisch, ganz im Gegensatz zu meiner Mutter. Sie sorgte dafür, dass die Fußballschuhe länger hielten, indem sie sie drei Nummern größer kaufte. Ich war klein, hatte große abstehende Ohren, das Gesicht voller Sommersprossen und sah mit den Dingern aus wie Charlie Chaplin auf Urlaub. „Sie sind teuer, sie müssen lange halten, stell dich nicht so an“. Gradlinige Erziehung in den Sechzigern. Und die Schuhe hielten ewig. Damals kannte Adidas wohl noch keine Obsoleszenz, sonst wäre ihnen solch ein Fehler nicht unterlaufen.

„Da kannst Du einen Elefanten drüber jagen“ oder auch “Da können sich deine Nachfahren noch dran erhängen“ sind Bezeichnungen meines Freundes Siggi für etwas von ihm Erzeugtes, wie eine Treppe oder ein Hacken in der Wand. Etwas was nicht kaputt geht oder schlicht alles aushält und mitmacht. Doch wenn alle so arbeiten würden wie Siggi, dann gäbe es ja nichts mehr zu tun. Das hat auch die Industrie eingesehen und fertigt schon geraume Zeit ihre Produkte mit einem geplanten Verfallsdatum. Diese Strategie wird als Obsoleszenz oder harmloser auch Produktlebenszyklus bezeichnet. Mitarbeiter die das nicht beachten und Produkte planen die zu lange halten, hören auch schon mal den Satz: Das hält ja ewig, sind Sie verrückt geworden? So hat zum Beispiel ein Drucker in seinem Chip ein kleines Programm, das nach einer bestimmten Anzahl gedruckter Blätter dafür sorgt, dass der Drucker schlicht aufhört seine Arbeit zu erledigen. Rien ne va plus, nichts geht mehr. Ihn zu reparieren, kommt teurer als ihn zu ersetzen. Allerdings konnte ein findiger Mensch durch schlichtes Aufspielen, eines im Internet kostenlos erhältlichen kleinen Programms, den Drucker wieder in Betrieb nehmen. Eindrucksvoll zu sehen in dem Arte Beitrag Kaufen für die Müllhalde. In Zeiten der Nachhaltigkeit und begrenzten Rohstoffe ein recht zweifelhafter Weg den die Industrie da einschlägt.

Und nicht nur in der Produktion scheint sich Obsoleszenz großer Beliebtheit zu erfreuen. Karl Theodor zu Guttenberg, von Freunden auch KT genannt, befindet sich offenbar bereits in der Degenerationsphase (die letzte Phase im Produktlebenszyklus) und wird, wenn nicht jemand ein kleines Programm installiert, demnächst seinen Dienst quittieren. Und er ist ja beileibe nicht der Einzige. Vor ihm haben das schon andere durchgemacht. Der ehemalige Postchef Klaus Zumwinkel, der sein Geld doch lieber in Lichtenstein verwahrte oder Thomas Middelhoff der Karstadt und die Quelle Erbin Madaleine Schickedanz gleichzeitig in die zweite Liga führte. Sie alle haben ihre Sollbruchstelle erreicht und sind mittlerweilen darüber hinaus. Bei den Druckern sind dafür die Anzahl der gedruckten Seiten verantwortlich. Bei einigen Managern sind das offensichtlich Gier, Ignoranz und Arroganz. Gibt es davon zu viel, heißt es irgendwann Rien ne va plus, nichts geht mehr. Eigentlich doch ganz sinnvoll diese Obsoleszenz.

Wie die Haltbarkeit der heutigen Fußballschuhe ist, kann ich nicht mehr beurteilen. Aber wer von Ihnen schon einmal versucht hat, mit Schuhen die sich vorn hochbiegen wie die Schlappen von Ali Baba, eine Flanke zu schlagen wird wissen, dass es für alles eine Grenze gibt. Ich habe meine Schuhe vor den Spielen mit einem Kumpel getauscht.