Es gibt eine Menge Bräuche in der Welt um den Jahresabschluss zu feiern. Doch keine sind so bodenständig und von so urwüchsiger Kraft wie die der Germanen und der Norddeutschen. Es ging schließlich um nichts Geringeres als den Kriegsgott Wotan zu vertreiben.

Wir Norddeutschen sind kein Volk von Traurigkeit. Feiern ist uns praktisch in die Wiege gelegt. Man denke nur an die vielen Raubzüge die die Wikinger durchführten und deren Erfolge es zu feiern galt. Und das machten wir durchaus mit viel Schmackes. Brennende Wagenräder den Abhang runter rollen oder mit großem Gejohle und lautem Gebrüll durchs Tal rennen waren nur einige der vergnüglichen Arten das Jahresende zu begehen. Allerdings hatte das einen ernsten Hintergrund. Um den 31.12. herum polterte der Kriegsgott Wotan munter durch die Luft. Und um ihn zu vertreiben und die eigene Angst gleich mit, machten die Germanen ein wenig Spektakel.

Und dem schlossen wir Norddeutschen uns an. Besondere Beliebtheit  erfreute sich in der hiesigen Dorfjugend das Runkelrübenkegeln in der Dorfdisko. Dazu positionierten sich jeweils vier Leute in die vier Ecken der Tanzfläche. Da die Aktion einige Körperkraft und Erfahrung im Umgang mit Rüben erforderte, eigneten sich für die Durchführung besonders Menschen mit landwirtschaftlichem Hintergrund. Punkt Zwölf warfen sie dann, wie beim Kegeln, die Rüben quer durch den Saal. Es war ein riesiger Spaß. Allerdings konnte niemand den Sinn des Ganzen erklären. Wir sind halt die Nachfahren der Wikinger, das muss als Grund reichen. Und die paar geschwollenen Knöchel der Leute auf der Tanzfläche gehören einfach dazu, zu einem schönen runden Sylvester.

Nachdem ich nicht mehr die Elastizität und Sprungfähigkeit eines Zwanzigjährigen habe, bringe ich den etwas softeren Gebräuchen anderer Länder große Sympathien entgegen. Da sind z.B. die Argentinier. Sie zerschneiden alte Unterlagen in kleine Schnipsel und werfen diese dann aus dem Fenster. Als Argentinier würde ich sofort meine wertlosen Aktien, unbezahlte Rechnungen und Knöllchen fürs falsche Parken unter die Leute bringen. Das hat doch was.

Oder die Griechen. Die backen Münzen in ihr Brot. Das soll Glück bringen. Allerdings hege ich hier den Verdacht, dass sie so ihre Notgroschen verstecken. Und die Italiener treiben es rot. Ich hab zwar noch nicht die Probe aufs Exempel gemacht, aber der Überlieferung nach tragen alle am 31.12. irgendeine Form von roter Unterwäsche. Das soll Glück, vielleicht auch Liebesglück bringen. Damit auch das Finanzielle in Italien nicht zu kurz kommt, essen sie nach Mitternacht Linsen. Das sorgt für reichen Geldsegen. La dolce vita am Jahresende, dann klappt’s auch mit dem Nachbarn. Die Italiener haben`s es einfach drauf.