„Nur wenn es uns gelingt Fehler als etwas Positives zu betrachten werden wir auch Außergewöhnliches leisten, lieber Herr Schröder.“ Genau, das habe ich meinem Sohn auch gesagt, als er das Gummiboot mit dem Fleischermesser auspackte.

Der Sommer lief so langsam zu seiner Höchstform auf und unser Sohn, damals 10 Jahre alt, ebenfalls. Der Gedanke, dass er bald mit dem eigenen Gummiboot auf dem nahe gelegenen See Kapitän Ahab nachfolgen würde und Moby Dick damit endgültig ausgespielt hätte, versetzte ihn in Trance ähnliche Zustände. Als der Postbote dann das Objekt der Begierde brachte, stand zwischen der Eroberung der Weltmeere und unserem Sohn nur doch das Auspacken.

Das Paket war perfekt. Keine einzige offene Stelle. Alles war sauber mit Klebeband versiegelt. Kein Finger ließ sich unter irgendeine Lasche schieben, um sie aufzureißen. Da Kinder über eine äußerst schnelle Auffassungsgabe verfügen, insbesondere wenn es sich nicht um Mathe, Bio oder Physik handelt, begreifen sie schnell was zu tun ist. Allerdings hatte ich völlig unterschätzt, auf welche Vorbilder unser Sohn bei der Lösung des Problems zurück griff. Wie Jack Nicolson in Shining, kam er mit dem Fleischermesser angerannt, kniete sich hin und rammte das Ding mit voller Wucht und bis zum Anschlag in die Mitte des Paketes. Es schrie zwar nicht und ließ sich anschließend auch wunderbar öffnen. Das darin liegende Boot allerdings, wies, wie der Gerichtsmediziner es formulieren würde, einen sauberen, glatten Durchstich auf der zum sofortigen Tode führte. Ohne Aussicht auf dauerhafte Wiederbelebung.

Gut, den Antrag auf Unterbringung in einem Kinderheim habe ich zurück gezogen, auch sein Lieblingsspielzeug musste nicht in der Mülltonne bleiben und den Hamster fanden wir nach einigen Wochen im nahen Waldstück ebenfalls putzmunter wieder. Wir konnten uns, mit therapeutischer Hilfe und über einen angemessenen Zeitraum von 15 Jahren wieder annähern. Heute ist unsere Beziehung, ja man kann sagen, schon fast wieder liebevoll.

In Unternehmen ist das anders, viel professioneller und gelassener. Da braucht kein Chef lange um mit den Fehlern seiner Mitarbeiter angemessen umgehen zu können. Meistens ist das nach einigen Abmahnungen, Versetzungen und Gehaltskürzungen schon nach wenigen Jahren mit der Verbannung in eine schlecht laufende Filiale erledigt. Man ist ja kein Unmensch und Fehler sind schließlich dazu da, dass sie gemacht werden. ABER DOCH NICHT DIESEN, DOCH NICHT JETZT, DOCH NICHT HIER UND VOR ALLEM NICHT SO, SIE….