Optimisten geht`s besser.

Sonntagmorgen. Liebenswerte Gäste und jede Menge Essen und Trinken. Das Frühstück versprach lecker zu werden. Allerdings hatte die Sache einen Haken. Ich esse gern Süßigkeiten und es gab nur eine Schale mit Schokoladenpudding. „Nie und nimmer wird die für uns alle reichen!“ Frustration, Verzweiflung und Enttäuschung fluteten durch meinen, jetzt von tiefen Depressionen gepeinigten Körper. Dann stand er neben mir, die Augen weit geöffnet und den Mund zu einem breiten Lächeln geformt. „ Wow, so viel Pudding, großartig“. Gott im Himmel, der Kerl ist ein Optimist. Das hat mir jetzt grad noch gefehlt. Mit Sicherheit kennt so jemand auch Madelon Peters. Die Wissenschaftlerin hat nämlich rausgefunden, dass Optimisten sowohl gesünder, als auch seltener depressiv sind und dass Menschen wie ich von ihr lernen können, optimistisch in die Welt zu blicken. Wenn sie sich da mal nicht irrt.

Das Glas ist halb leer. Nein halb voll. Jedem von uns ist bekannt, dass wir die Welt aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten können. Vermutlich können wir auch Übereinstimmung darüber herstellen, dass eine grundsätzlich positive Haltung zum Leben vieles erleichtert. Ich hatte einen Unfall, bin aber noch am Leben. Ich habe die Hälfte meines Vermögens verloren, die andere ist aber noch da. Mein Chef ist ein Idiot, aber ich muss nicht bleiben. Menschen, die so denken sind vermutlich nicht nur zufriedener, sie wirken auf mich persönlich auch sehr viel ausgeglichener und sind mir angenehmer.

Neu war für mich, dass sie auch gesünder sind. Die holländische Wissenschaftlerin Madelon Peters forscht auf dem Gebiet der Gesundheitspsychologie und ist der Frage nachgegangen, welchen Einfluss das Gehirn auf die Körperfunktionen hat und wie sich das auf unser Wohlbefinden auswirkt. Sie konnte dabei auf Statistiken zurückgreifen die besagen, dass Optimisten sich schneller von Operationen erholen, weniger Schmerz spüren, seltener den Arzt aufsuchen, über niedrigeren Blutdruck verfügen und seltener Erkältungen bekommen. Wenn diese Fakten stimmen, wäre es doch naheliegend, die Fähigkeit zum Optimismus zu trainieren. Und genau das hat Peters getan und mit Hilfe ihres Teams ein systematisches Vorgehen entwickelt.

Sie fragt die Menschen: „Wie wünschen sie sich ihre Persönlichkeit, ihre Beziehungen und ihr Arbeitsleben?“ Dann bekommen die Befragten einen MP3 Player mit nach Hause und malen sich mithilfe eines Sprechers Szenarien aus in denen ihre Wünsche wahr werden. Die Ergebnisse sind beeindruckend. Wer täglich nur 5 Minuten über seine Wunschzukunft sinniert, denkt schon nach kurzer Zeit deutlich optimistischer.

Ich habe das sofort ausprobiert und schon ohne MP3 Player prächtige Ergebnisse erzielt. Mein nächstes Frühstück werde ich, noch vor der Begrüßung der Gastgeber, so beginnen: „Egal wie viel Pudding ihr habt, mir reicht`s. Sorgt einfach nur dafür, dass die anderen die Finger davon lassen.“ Optimismus ist so schön.