Gott kann`s bezeugen, ich bin nicht neidisch. Doch weshalb bekommt der Depp vom Marketing schon wieder mehr Geld?

Ich kenne keinen einzigen Menschen der jemals frank und frei eingestanden hätte „Ja, ich bin neidisch und das ist gut so.“ Ok, so etwas wie Fastneid, also die unmittelbare Stufe vor dem eigentlichen Neid, kommt schon mal vor. So wie am Samstagvormittag in der Innenstadt. Die Pflicht, der Lebensmitteleinkauf für`s Wochenende ist erledigt was nun folgt ist die Kür. Espresso mit meiner Frau beim Italiener. Wie üblich betrete ich als erster den Laden, weil ich irgendwo gelesen habe, das gehört sich so. Allerdings bin ich fest davon überzeugt, dass es der alte Militärstratege Clausewitz anders gesehen hätte. Die vorderen Reihen sterben nämlich immer zuerst.

Kaum hatten wir die Bar betreten, kam dieser unsagbar gut aussehende Italiener mit einem charmanten Lächeln und einem gehauchten Buongiorno Signora auf uns zu. Wobei mir das Buongiorno und meiner Frau das gehauchte Signora zuteilwurde. Der in einer fließenden Bewegung meiner Frau angebotene Barhocker machte die Sache dann so richtig rund. Prego Signora, was kann ich für Sie tun? Wer jemals ein weiches Stück Butter nach Hause getragen hat, kann nachvollziehen wie meine Frau drauf war. „Was für ein charmanter Mann, findest du nicht auch?“ Ja natürlich, das ist ein Italiener, die sind immer so kurz bevor sie einen ausrauben oder die Kniescheiben zertrümmern. Und was heißt das überhaupt? Ich bin wohl so ein ungehobelter Klotz, dabei gehe ich immer zuerst durch die Tür. Zählt das denn gar nicht? Nächsten Samstag gehen wir zur Bratwurstbude. Und wehe da arbeitet ein Italiener.

Nun gibt es Wissenschaftler wie Frederick C. Miner* oder Peter Kenning die sich ausführlich mit dem Phänomen Neid und dessen Auswirkungen im beruflichen Zusammenhang beschäftigt haben. Miner fand schon in den 90ziger Jahren durch Befragungen in 200 Unternehmen heraus, dass 75% der Mitarbeiter Erfahrungen mit Neid am Arbeitsplatz gesammelt hatten. Und Kenning hat untersucht, wie sich Neid auf das Betriebsergebnis der Unternehmen auswirkt. Dabei sprechen die Kennings Ergebnisse eine eindeutige Sprache. Neid sorgt dafür, dass Mitarbeiter ihre Kooperationsbereitschaft erheblich einschränken. Dass geht sogar soweit, dass Mitarbeiter auch finanzielle Einbußen für sich in Kauf nehmen, um ihren Neid ausleben zu können. Vor diesem Hintergrund sorgt Neid dafür, dass die Ergebnisse leiden. Wenn z.B. der Mitarbeiter aus der Verwaltung nicht mehr mit dem Arzt aus dem OP kooperiert, dann wird eng.

Was kann man tun? Kenning rät auf der einen Seite generell zu vorsichtigem Umgang mit Belohnungssystemen die Neid hervorrufen können und auf der anderen Seite zu starken Sanktionen bei destruktivem Neid. Neid in welcher Form auch immer zu unterbinden, ist allerdings nicht möglich. Er gehört zu den Menschen, wie der Charme zum Italiener.

*Frederick C. Miner Jr.: Jealousy on the job.