Das Salz in der Suppe der Arbeit ist es anständig auf den Chef zu schimpfen. Das hält gesund und macht Spaß.

Das festliche und dieses Jahr besonders prall gefüllte Buffet, das Geschäftsjahr war außerordentlich erfolgreich, ist bis auf die unappetitlichen Ladenhüter wie welke Salatblätter und weiche Melonenscheiben abgegrast. Die Getränke beginnen langsam ihre wohltuende Wirkung zu zeigen, Krawatten und Moral werden zeitgleich gelockert. Nun warten alle auf den Höhepunkt des Abends: Der Chef bzw. die Chefin geht.

In den üblichen Kleingruppen, fein säuberlich nach Abteilungsgrenzen sortiert, wird ohne langes Federlesen zu den wirklich wichtigen Themen übergegangen. Was stört am Chef, welche falschen Entscheidungen wurden getroffen, wo fühlt man sich ungerecht behandelt oder gar misshandelt, welche menschlichen Abgründe zeichnen den Chef aus und wie kann man eigentlich in einem solchen Laden noch überleben.

Engagierte und proaktive Personalentwickler werden hierin die unheilvollen Vorboten oder gar die sichtbaren Symptome einer runtergekommenen Unternehmenskultur wittern. Befeuert von ihren Chefs, die dieses Gemecker hinten rum („Die Leute können es mir doch direkt sagen, wenn ihnen etwas an mir nicht passt“) auf keinen Fall dulden wollen, sinnen sie nach Abhilfe. Doch warum eigentlich?

Meckern über die Chef`s ist Psychohygiene der Mitarbeiter und sehr gesund. Jeder kennt es, jeder macht es und keinem schadet es. Meckern ist ein zutiefst menschliches Bedürfnis. Es befreit uns von Nöten und Sorgen, von Ängsten und Befürchtungen. Es gibt uns den Freiraum anderen etwas in die Schuhe zu schieben ohne sich selbst schlecht zu fühlen. Wir können uns entlasten, denn beim Meckern sind Gott sei Dank immer die anderen Schuld. Wir sind die weißen Ritter und könnten jedes Problem unserer Chef`s angemessen und mit weitaus besserem Ergebnis lösen. Wenn man uns denn nur ließe. Aber auf uns hört ja keiner. Na denn Prost.

Wir Deutschen machen es, doch gemeckert wird Weltweit. Der Personaldienstleister Rundstedt hat 6800 Arbeitnehmer, darunter 529 in Deutschland zu dem Thema befragt. Die Gründe des Meckerns unterscheiden sich von Land zu Land. So nervt es die Deutschen besonders wenn die Chef`s keine Entscheidungen treffen. Die Franzosen finden es blöd wenn sie nicht gegrüßt werden und die Russen hassen es wenn Chef`s ihre Gefühle nicht im Griff haben. Andere Länder, anderes Gemecker.

Ach ja, zum Schluss noch eine persönliche Erfahrung von Betriebsfesten. Wenn die Chef`s durchgehechelt sind, irgendwann ist das nämlich auch nicht mehr lustig, kommen die Kollegen der anderen Abteilung dran. Und ganz zum Schluss interessiert ohnehin nur noch wer mit wem und wenn nicht warum nicht.