Die Werbung hat sie entdeckt, in den Hörsälen der Unis sorgen sie für eine stabile Altersmischung, die Wirtschaft will auf ihr Wissen auch nicht mehr verzichten und die obligatorischen Busreisen haben sie längst gegen Himalayabesteigungen getauscht. Die Rede ist von den Alten, also den Menschen über 35 Jahren. Fortschritt ist für sie selbstverständlich und jede technische Innovation, wie z.B. Elektrofahrräder nehmen sie begeistert auf. Und drehen nochmal so richtig auf.

Eines Morgens, es ist noch sehr früh und ich bin auf dem Weg zum Sport. Wie immer, wenn es nicht gerade wie aus Eimern regnet, bin ich mit dem Fahrrad unterwegs. Natürlich nicht ganz so schnell wie Eddy Merckx, aber dennoch so flott wie es mein fortgeschrittenes Alter zulässt. Die Strecke verläuft etwa drei Kilometer auf einem Fahrradweg  schnurstracks geradeaus. Unterbrochen nur von einigen Seitenstraßen und er einen oder anderen Ampel.

Nun trete ich halbdösend, halb auf den Verkehr achten so vor mich hin und höre erst unmerklich, dann immer deutlicher ein surrendes Geräusch, so als würden sich Klingonenraumschiffe nähern und in der Bremer Neustadt nach Essbarem Ausschau halten. Ignorieren erschien mir als Reaktion auf unbekannte Flugobjekte, die vielversprechendste Lösung zu sein. Allerding nur so lange wie halb links hinter mir, etwas Braunes, sich schnell näherndes, auftaucht. Und im selben Moment auch schon an mir vorbei ist. Silberfarbenes Elektrorad unbekannter Bauart (ich würde tippen auf ein von Red Bull optimiertes Formel 1 Gerät), Fahrer männlich ca. 75 Jahre alt, braune Lederjacke, Pepitahut tief in die Stirn gezogen und die lebenserfahrenen Hände fest wie Schraubstöcke um die Griffe gespannt. Dass die ganze Fuhre wackelte wie eine Zementmischmaschine und beharrlich den Eindruck hinterließ, sie würde gleich abheben oder in den nächstbesten Vorgarten knallen, machte es nur noch spektakulärer.

Hat unser Verkehrsminister Ramsauer diese Fahrradfahrer gemeint, wenn er von der Helmpflicht sprach? Dann sollte er dabei nicht stehen bleiben. Wie wäre es mit der Pflicht signalrote, eng anliegende Ganzkörperanzüge und Überrollbügel für diese Speedbiker einzuführen. Das wär doch noch was für`s Auge. Mir hat das mit dem Speedbiker gefallen und mich an die Umfrage der Stiftung für Zukunftsfragen erinnert, die wissen wollte wie lange die Berufstätigen in Deutschland arbeiten möchten. 73% der Befragten wollten dies weit über das 65zigste Lebensjahr hinaus. Und davon profitieren ja auch die Firmen. So jemanden können sie jederzeit anrufen und ein paar Augenblicke später steht er, dank Speedbike, im Büro. Okay, die überfahrenen Passaten sind zu bedauern, aber das sind eben einzuplanende Kollateralschäden. Was stellen sie sich auch dem Fortschritt so blöde in den Weg.