Die Check-In Prozedur in dem freundlichen kleinen Hotel in Bad Malente hatte ich schon hinter mir, nur der Zimmerschlüssel fehlte jetzt noch. Wie in anderen Hotels auch, befanden sich an dem Bund die diversen Schlüssel für Tür, Außentür etc. und, ganz untypisch, ein daumengroßer Miniaturwecker. Allerdings einer mit allen Schikanen, wie sich noch herausstellen sollte.

Nach einem arbeitsreichen Tag freute ich mich auf das Abendessen und ein paar gemütlichen Stunden am Dieksee. Das Wetter war ausgesprochen freundlich. Es regnete statt der üblichen 24 lediglich 18 Stunden am Tag. Und wer wie ich in Schleswig-Holstein aufgewachsen ist, kann erahnen wie wohl ich mich in meiner alten Heimat fühlte. Endlich wieder einmal die Schwimmhäute zwischen den Fingern benutzen zu können, welch eine Wonne. Ist dies doch der Körperteil, der uns Holsteiner von Bergvölkern südlich Hamburgs abhebt und uns einen enormen evolutionären Vorsprung beschert hat.

Nachdem alles für die Nacht gerichtet war, Zimmer mehrfach verschlossen (man kann nie sicher sein, dass der gemeine Holsteiner einen Artgenossen am Geruch erkennt wenn dieser ein Bremer Kennzeichen am Auto hat) habe ich noch einen wohlwollenden Blick auf den Miniaturwecker geworfen. Sie kennen sicherlich diesen Typ. Oben zwei Glocken, analoges Zifferblatt, eben wie in früheren Zeiten wo wir uns noch im See gewaschen haben. Dabei fiel mir auf, dass dieser Wecker wirklich funktionierte. Putzig diese Holsteiner.

Mit dem guten Gefühl nun bis 07.30 schlafen zu können, machte ich 23.30 das Licht aus. Eine gefühlte halbe Stunde später, exakt war es 04.30 brach ein infernalischen Piepen in meinem Zimmer los. Von der Art wie es koreanisches Kriegsspielzeug mit der Lautstärke eines startenden Kampfjets so von sich gibt. Nachdem sich mein Herzrhythmus wieder von der Kollapsgrenze entfernt hatte, griff ich als erstes beherzt nach meinem Handy um für Ruhe zu sorgen. Doch Pustekuchen, das Handy war stumm. Die Gäste im Nachbarzimmer müssen es sein. Meinen Schuh schon in der Hand um die Wand zwischen ihnen und mir einzuschlagen, fiel mir auf, dass dieses martialische Piepen aus einer anderen Richtung kam. Es kam von meiner Zimmertür. Und es kam aus diesem Miniaturwecker.

In Normalgröße haben diese Wecker, oben zwischen den beiden Glocken, einen Hebel um den Alarm zu beenden. Doch mein koreanisches Folterwerkzeug verzichtete auf derartige Unterstützung. Eigentlich müsste das nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz untersagt sein. Also, Fenster auf und das Gelump in großem Bogen in den See schmeißen. Doch halt, dann ist der Zimmerschlüssel auch auf dem Grunde des Dieksee`s. Schweißgebadet und mit Ohrenschäden fand ich schließlich das Batteriefach und die koreanische Kriegsmaschine verstummte schlagartig.

„Guten Morgen Herr Schröder, haben Sie gut geschlafen?“ Die Hotelbesitzerin fragte das mit einem so reizenden Lächeln, dass ich mir das nur mit jahrelangem Training in unzähligen Kommunikationsseminaren erklären konnte. Kein verschmitztes Blinzeln das auf Gedanken hinwies wie „Na, die Nacht war wohl die Hölle, du kleiner Penner“ oder „So gehen wir mit Verrätern um die nach Bremen umsiedeln.“ Meine Anmerkung, dass alles in bester Ordnung gewesen sei, lediglich, was ja nicht weiter schlimm sei, der Miniaturwecker auf 04.30 eingestellt war, nahm sie mit einem sanftem Lächeln zur Kenntnis und kommentierte es so:

Och Herr Schröder, das müssen sie auch mal so sehen. Wie an kein anderes Hotel in ihrem Leben werden sie sich an uns erinnern. Und was kann es für uns besseres geben, als dass sie uns in ebenso guter wie bleibender Erinnerung behalten. Wie wahr, liebe Landsleute.

Für Nachahmer
Das Hotel Fährhaus Dieksee liegt in Niederkleveez. Essen und Trinken sind klasse, die Zimmer gut und die eine oder andere koreanische Überraschung gibt es, als  Holsteiner Art des asiatischen Glückskekses, noch gratis dazu.