Nicht viele von uns würden ihre Geldanlage einem Menschen in Bermudashorts und Hawaiihemd anvertrauen. Der soll den Urlaub auf den Kaimaninseln gefälligst von seinem eigenen Geld bezahlen. Aber was wenn er darüber einen anthrazitfarbenen Anzug mit einem hellen einfarbigen Hemd, einer unifarbenen Krawatte und farblich abgestimmten Schuhen und Gürtel trägt? Denn das ist, laut einer Studie, die beste Kluft für männliche Vertriebsmitarbeiter. Allerdings nicht bei den Tieffrieren von BoFrost. Die schwimmen gegen den Strom.

Das Mittagessen ist gerade beendet und der an zähflüssigen Straßenbelag erinnernde tiefschwarze Espresso steht dampfend vor mir. Dann klingelt es. Nichtsahnend und völlig arglos öffne ich die Tür. Und da steht er. Gefühlte 1,90m groß, rote Baseballkappe, dunkelblauer Blouson, hellblaues Hemd und rotgestreifte Krawatte. Unten rum eine Jeans die in derben Lederstiefeln endet. Irgendwie konnte ich mich nicht festlegen wer mich da anschaute. Es war so eine Mischung aus Al Bundy und Bundespräsident Wulff, der am Samstag aus dem nahe gelegenen Wald Holz für den Kamin holt.

„Hallo!“ rief mein Besucher fröhlich und munter in den Flur hinein. „Ich komme von der Firma BoFrost und habe unseren neuesten Katalog dabei.“ Das kam so erfrischend, dass er mir ebenso gut  hätte sagen können: „Hallo, ich bringe ihnen die Erlösung“.  Mir war sofort klar, diesen Katalog muss ich haben. All die leckeren Tiefkühlprodukte werde ich demnächst mein eigen nennen. „Kann ich Sie in einigen Tagen anrufen, ob etwas für sie dabei gewesen ist?“ Aus tiefstem Herzen bejahte ich seine Frage. Ich hatte mein Erweckungserlebnis.

Nach der Studie „Vorbild Verkäufer – Von Krawatten, Koffern und Klischees“ hätte dieser Kerl nicht vor meiner Tür stehen dürfen. Vor allem nicht in dieser Mischung aus Krawattentyp und Holzfäller. Denn nach wie vor scheint zu gelten, dass wir bestimmte Erwartungen an das Aussehen von Verkäufern haben. Gedeckte Farben, eher einfarbig, immer mit Krawatte aber nie verspielt ist in etwa der gängige Typ Marke Versicherung, Bank etc. Allerdings gilt das auch für andere Branchen.  Wer als Vertriebler davon abweicht riskiert seinen Erfolg. Auch wenn in der Studie zum Ausdruck kommt, dass Aussehen nicht alles ist, so hat es dennoch einen hohen Stellenwert.

Mir ist jedoch wohler bei dem Gedanken, dass die Leute die mir gegenüber stehen, ihren Job beherrschen, mich nicht bescheißen und keine Luftschlösser errichten. Ob sie dann Baseballkappen mit Krawatten und Lederstiefeln paaren, ist mir nahezu gleichgültig. Besser das BoFrostdurcheinander als den durchgestylten Banker, der mir irgendein Verlustprodukt andreht. Denn diese Art der Vertriebsuniform scheint mir mittlerweile mehr für Unehrlichkeit und Verkauf um jeden Preis zu stehen, als für ansprechendes Äußeres.