Manager als Marke. Wer nicht bekannt ist dem droht ein Leben in der Bedeutungs- losigkeit. Und wer möchte das schon?

Empfänge finde ich eigentlich ganz nett. Es gibt was zu essen und die Getränke sind meist auch nicht übel. Ansprachen gehalten werden, Lobpreisungen ausgesprochen und Freundlichkeiten über dieses und jenes mitgeteilt. Und so stehe ich da, meinen Teller mit Fingerfood aufgefüllt, das Glas auf dem Stehtisch neben mir und schaue so in die Runde. Dann kommt dieser nette sympathische Kerl auf mich zu. „Sie kenne ich irgendwo her“. Mein erstauntes „Aha“ bringt ihn nun so richtig in Rage. „Ja,ja, ich bin mir ganz sicher. Waren sie nicht letzte Woche auch auf dem Golfplatz?“ Das sind Gespräche die liebe. Offen, direkt und ungekünzelt. Während jeder Hillary Clinton kennt, kennt mich wieder mal kein Schwein. Irgendwas mache ich falsch.

Das Wetter ist herrlich. Die Sonne scheint und die Menschen strömen ins Freie, den herannahenden Frühling genießen. Und doch passiert ganz in ihrer Nähe ungeheuerliches. Der Wal ist tot, die Flagge auf Halbmast, das Gebäude liegt dunkel und schwer, wie ein havarierter Tanker am Weserstrand. Beluga, die einstmals größte Schwergutreederei der Welt ist unter gegangen. Und mit ihr der charismatische Reeder Nils Stolberg. Diese Insolvenz beschert ihm mehr Aufmerksamkeit als in all den Jahren zuvor. Dabei war er auch vorher kein Unbekannter. Er gründete Schulen, unterstützte Tsunami Opfer in Thailand mit einer Schule und machte sich als Hotelier einen Namen. Doch all die mediale Präsenz hat nicht verhindert, dass sein Erfolg einbrach. Wie sollte es auch? Ist doch Bekanntheit kein Garant für Erfolg. Sollte man meinen.

Dennoch gibt es Ansätze die davon ausgehen, dass Manager die sich als Marke betrachten und sich dementsprechend positionieren, erfolgreicher als andere sind. Sie belegen das gern mit Steve Jobs, dem Apple Guru. Wenn er mal wieder ins Krankenhaus muss, dann fällt der Aktienkurs. Die Börse geht davon aus, dass Apple weniger wert ist, wenn er nicht mehr an Bord ist. Der nicht mehr ganz neue Vorstandsvorsitzende des Bayer Konzerns Marijn Dekkers kennt dieses Phänomen aus der entgegengesetzten Sicht. Ihn kannte bzw. kennt niemand. Auf Fotos, vor den Bayer Werktoren den dortigen Beschäftigten gezeigt, wurde er nicht erkannt. Damit aber die Beschäftigten seinen Umstrukturierungsplänen folgen, müssen sie ihm vertrauen. Dies geschieht, wie darauf spezialisierte Marketingagenturen hinweisen, durch Bekanntheit. Bewiesen, weder wissenschaftlich noch durch eindeutige Beispiele, ist das allerdings nicht.

Warren Buffett der legendäre Us-Investor kannte außerhalb Nebraskas lange Zeit niemand. Heute ist er ein Star der Finanzszene. Bekanntheit war auch nie sein Ziel, sondern Ergebnis seines Erfolges. Er wollte reich werden. Und konnte offenbar das eine von dem anderen sehr gut unterscheiden. Erst die Leistung dann das Vergnügen, könnte man sagen. Wobei noch zu klären wäre, ob es ein Vergnügen ist, weltbekannt zu sein. Meiner Meinung nach haben alle erfolgreichen Manager, von einigen wenigen Ausnahmen wie z.B. Lars Windhorst einmal abgesehen, ihre Bekanntheit ihrem Erfolg zu verdanken. Weil sie etwas geschaffen haben, wurden sie bekannt. Erst einmal bei ihren unmittelbaren Mitarbeitern, dann in der Branche und später darüber hinaus. Apple ist nicht Steve Jobs, sondern Steve Jobs hat mit den Applemitarbeitern Produkte geschaffen die Millionen Menschen begeistern.

Bis zu 10.000 Menschen pilgern einmal im Jahr nach Omaha um an den Aktionärstreffen von Buffett Investmentfirma Berkshire Hathaway teilzunehmen. Sie horchen auf jedes Wort von ihm und lassen sich exklusive Abendessen mit ihm schon mal 100.000$ kosten. Doch hätte er vorher nicht bewiesen, dass er ihr Geld beträchtlich vermehren kann, wäre niemand gekommen. Seine Bekanntheit ist Ergebnis seines Könnens. Und nicht umgekehrt. Diesen Weg überlassen wir dann doch lieber Deutschland sucht den Superstar.

Bis ich so bekannt wie Jobs und Buffet bin, wird die eine oder andere Woche noch vergehen. Bis dahin gehe ich erst einmal auf den Golfplatz. Bekanntschaften pflegen.