Die Geburtstagsfeier hatte, im Gegensatz zur träge dahinfließenden Weser, gerade so richtig Fahrt aufgenommen, als mein Gesprächspartner ansatzlos damit rauskam: „Und was machst Du so beruflich?“ Ich bin Unternehmensberater. „Aha.“ Mein Gegenüber sah mich mit der gleichen Begeisterung an, wie jemand dem man mit dem Auto ganz langsam über den Fuß fährt. Sie kennen das, diese ungesunde Blässe kurz vor dem schwallartigen Erbrechen. Der Ruf meiner Zunft scheint irgendwie angeschlagen.

Dabei sind wir Unternehmensberater noch deutlich besser dran als Manager. Während das Ansehen der Manager laut einer aktuellen Forsa-Umfrage so richtig mies ist, sind Unternehmensberater erst gar nicht aufgeführt. Offenbar hat man flächendeckende Selbstmordversuche in dieser Berufsgruppe vermeiden wollen. Davon sind Feuerwehrleute, Pflegekräfte und Ärzte weit entfernt, denn sie nehmen Spitzenplätze in der Beliebtheit ein.

Kennen Sie einen Schlachter der die Kühe fragt, wie sie ihn finden? Nein? Dann sollten Sie den Deutsche Beamtenbund (dbb) kennen lernen. Er befragte 3000 Leute wie sie die Staatsdiener denn so sehen. Offensichtlich haben sie sich weiterhin gedacht, wenn wir schon einmal dabei sind, können wir auch gleich noch fragen welche Berufe die angesehensten sind. Dreißig standen zur Wahl. Apple oder Deutsche Bank Chef waren nicht darunter. Aber wenn Sie Vertreter sind, in einer Werbeagentur oder bei der Telekom arbeiten, dann haben Sie ordentlich zugelangt. Ihr Ruf ist nämlich unterirdisch. Nach Ihnen kommt nichts mehr. Weite wüste gähnende Leere.  Manager sind allerdings nur um Nuancen besser. Sie befinden sich im letzten Drittel.

Und ganz oben? Dort finden sich auf den Plätzen eins, zwei und drei Feuerwehrleute, Pflegepersonal und Ärzte. Sie alle genießen bei den Befragten großes Ansehen und Wertschätzung. Allerdings haben alle drei Berufsgruppen auch mehr oder weniger große Nachwuchssorgen. Es scheint ein deutlicher Unterschied zu bestehen zwischen der gesellschaftlichen Anerkennung und dem persönlichen Empfinden der Berufsgruppen. Unattraktive Bezahlung, lange Arbeitszeiten und mangelnde Aufstiegsmöglichkeiten werden beklagt.  Dennoch bleiben viele Menschen diesen Berufen treu und dafür gehört ihnen die größte Anerkennung. Nicht das sie sind was sie sind sondern, dass sie dabei bleiben obwohl es ist wie es ist, macht sie in meinen Augen so wertvoll.

Auf dem nächsten Geburtstagsfest gebe ich mich als Feuerwehrmann aus. Dann fliegen mir die Sympathien meiner Gesprächspartner nur so zu. Allerdings muss ich darauf achten, nicht zu detailliert von „unseren“ Einsätzen zu sprechen. Meine Erfahrungen auf dem Gebiet der Brandbekämpfung sind nämlich eher spärlich. Aber zum Glück bin ich ja Unternehmensberater: Von Nichts richtig Ahnung, aber überall mitreden.

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