„Ja nun, sieht Scheiße aus.“ Nach solch einem Satz schnappt man verzweifelt nach Luft und das nächstgelegene Tropenmedizinische Institut wird zwecks Behandlung aufgesucht. Denn Atemlähmung, ist das typische Symptom der schwarzen Mamba, wenn sie zugeschnappt hat. Doch meine Mamba entpuppt sich als Nachbarin, die es nur gut mit mir meint.

Wie sag ich`s meinem Kinde? Generationen haben sich über diese Frage die Köpfe zerbrochen und Geschirr zerschlagen. Ganze Industriezweige leben von ihrer Beantwortung. Seminare wie „Kommunikation leicht gemacht, direkt ins Herz der Menschen“ zeugen davon. Doch ich versichere hier an Eides statt, meine Nachbarin hat keines dieser Seminare besucht. Sie ist ein Naturtalent und hat ihr treffsicheres Gespür für den richtigen Zeitpunkt, die passende Betonung und Nachhaltigkeit einer Botschaft mit der Muttermilch aufgesogen.

Vor einiger Zeit, ich befand mich im Urlaub, unterließ ich aus Bequemlichkeit das Rasieren. Die Folge war ein, löcheriges, Vollbart ähnliches Gewächs. Zu einem kompletten Rauschebart sind meine Haarwurzeln nicht in der Lage. Damit sah mich die Nachbarin und es kam zu besagten, folgenschweren Dialog.

Hallo Herr Schröder, waren sie im Urlaub? Ah, sie haben einen Bart. Nun ja, sieht irgendwie Scheiße aus. Ohne Bart gefallen sie mir einfach besser.

Ich liebe Menschen die mir ihre Sympathie so ohne jeden Argwohn entgegenbringen. Mein Versuch, während ihrer ermunternden Ansprache, einen kurzen Blick in ihre Mundhöhle zu werfen, scheiterte jedoch. Ich wollte damit eigentlich nur sicher gehen, dass diese schwarz ist. Denn von der scharzen Farbe in der Mundhöhle hat die Mamba ihren Namen.

OK, sei`s drum. Vermutlich hat meine Nachbarin im Freundeskreis eine große Anzahl von Kommunikationskünstlern, von denen sie ihr exzellentes Einfühlungsvermögen gelernt hat.

Der Arzt der am Bett des Patienten freudestrahlend darauf hinweist, dass er dieses Krankheitsbild das erste Mal sieht und ganz gespannt darauf ist wie sich das alles entwickeln wird.
Der Koch, der seinem Gast voller Stolz darüber berichtet, dass sie nach dem Umbau der Küche eine 1a Hygiene haben und man jetzt in der Küche quasi vom Boden essen könnte.
Der Pilot der seine Fluggäste darüber aufklärt, dass es nun einige Turbulenzen geben wird, die gesamte Crew aber gerade zu einer Notlandeübung gewesen sei und daher nichts passieren kann.

Ich für meinen Teil habe es vorgezogen mich wieder zu rasieren und der Nachbarin nur noch glatt unter die Augen zu treten. Noch eine Attacke der schwarzen Maba überstehe ich nicht, sagt mein Tropenmediziner.