Schon Pinocchio kannte die Körpersprache und war nicht immer glücklich darüber.

John Wayne lebte noch und ich saß ebenso cool wie er auf dem Pferd. Was bei dem Westernhelden mühelos aussah, entpuppte sich bei mir als völliges Desaster. Obwohl ich ihm meine Hacken, wie im Film gesehen, in die Flanken trieb blieb der verdammte Gaul einfach stehen und fraß in aller Seelenruhe Gras. Hätte ich mehr Ahnung von Körpersprache, wäre mir der peinliche (ich bin ein Kind vom Lande) Auftritt erspart geblieben.

Wer beruflich mit der Führung von Menschen zu tun hat vertraut meist auf die Kraft der Argumente. Sie müssen stimmig und nachvollziehbar sein. Natürlich ist es auch wichtig den richtigen Ton zu treffen, die Menschen dort abzuholen wo sie sind, wie man so schön sagt. Selten machen wir uns allerdings Gedanken darüber was wir außer unseren Worten noch verkünden.

Was passiert wenn ein Vorgesetzter mit der Körperspannung eines ausgeleierten Gummibandes vor einer Gruppe Mitarbeiter steht oder jemand mit einem monotonen Singsang in der Stimme, in dessen Nähe selbst eine Rennmaus ein paar Schritte langsamer läuft? Es passiert das Gleiche wie bei meinem Pferd, nichts. Mit dem Unterschied das Mitarbeiter aus nachvollziehbaren Gründen nicht geneigt sind, Gras zu fressen. Sie spielen dann lieber mit ihren Smartphones, was natürlich für Pferde wiederrum keine lohnenswerte Alternative darstellt.

Körpersprache hat die unendlich tolle Eigenschaft auszudrücken, was wir eigentlich denken. Sie ist in wesentlichen Teilen nicht unserem Willen unterworfen und daher mitunter schlicht schonungslos. Beispiel: Es ist jetzt die x-te Reorganisation die mir verordnet wurde. Und wieder muss ich es meinen Mitarbeitern erklären. Überzeugend soll ich sein, präsent und motivierend. Schakka wir schaffen das Leute. Wir geben unser Bestes. Nun tretet hinaus und verkündet die frohe Botschaft. Wer das im Kopf hat, hat es schwer glaubwürdig einen Aufbruch zu vertreten.

Wären die Mitarbeiter die diese frohe Botschaft hören Pferde, sie würden sich nicht vom Fleck bewegen. Sie würden zwar die Sprache hören aber dem Unausgesprochenen und den damit einhergehenden Körpersignale mehr vertrauen. Was sie sehen und wahrnehmen ist für sie die Wahrheit, nicht was sie hören. Will man ein Pferd bewegen muss es überzeugt werden. Nur wenn das was wir denken mit unseren Körpersignalen übereinstimmt, wird das Pferd überzeugt sein.

Menschen sind keine Pferde was man schon daran erkennen kann, dass ein Sattel auf ihnen nur schwer zu befestigen ist. Dennoch reagieren auch Menschen darauf, wenn das gesprochene Wort nicht mit den Körpersignalen übereinstimmt. Sie glauben nicht was sie hören und werden dementsprechend nicht tun was von ihnen erwartet wird. Da kann man vor ihnen eine gut inszenierte „Verkaufsshow“ und doch wird es nichts nützen. Der einzige Weg der bleibt ist eine Übereinstimmung zwischen dem was man denkt und dem was man dann sagt, stimmt.

Bei einem neuen Projekt könnten Sie sich vor Ihre Leute stellen und sagen: Das Projekt ist Mist aber wir müssen es trotzdem machen. Das dient unserem Chef zur Profilierung. Ist wie bei den alten Römern wenn der Centurio Sport machen möchte: „Rudert schneller Leute, der Alte will Wasserski laufen“. Sie sind dann vermutlich Ihren Job los, aber Echtheit hat eben seinen Preis.

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