Obrigkeitshörig wie ich nun einmal bin, hab ich dem Zukunftsforscher Horst W. Opaschowski geglaubt, als er die zukünftigen Trends im Tourismus vorhersagte. Wer vorne dabei sein will, fährt in die Metropolen dieser Welt. Da ich Bielefeld schon kenne, hab ich mich für Istanbul entschieden. Eine wundervolle Stadt in der sich jeder, ob Mensch, Tier oder Tourist gleichermaßen umsorgt fühlen darf.

2030 – Wie wir in Zukunft leben. Das ist das aktuelle Buch von Horst W. Opaschowski. Ein Teilgebiet in diesem Buch ist der Tourismus. Und als einen besonders ausgeprägten Wachstumsmarkt hat er den Städtetourismus identifiziert. Beliebt sind demnach Metropolen mit einem herausragenden kulturellen Angebot wie Theaterfestivals, Opernpremieren, Kunst- und Museumsausstellungen. Die Stadt wird  zum Erlebnisraum und die Zauberformel heißt S.A.S. Sightseeing. Atmosphäre. Shopping. Vergessen hat Opaschowski das Füttering. Eine Istanbuler Spielart um die Population von Hund und Katz konstant hoch zu halten. Und eine Attraktion die es mit jedem Theaterfestival aufnehmen kann.

Es ist anzunehmen dass die Istanbuler, Wohnraum ist knapp, eng und teuer, keine Lust haben den ganzen Tag in der warmen Bude zu hängen. Daher halten sich von den 13 Millionen Einwohnern ca. 95% liebend gern auf der Straße auf. Und haben es natürlich auch gern wenn ihre Haustiere in der Nähe sind. Doch anders als bei uns in Deutschland, wo jeder seinen eigenen Hund hat, bevorzugen die Istanbuler das Animalsharing. Pro Straße gibt es eine variable Zahl von Hunden und Katzen, die für das nötige Haustierfeeling im Quartier sorgen. Zuwendung und Fressen erhalten sie nach Bedarf und Mentalität der Anwohner. Mal muss als Beweis der Zuneigung durch einen Hausbesitzer die hinterhergeworfene Speisekarte genügen, ein anderes Mal ist es der komplette Döner von Vortag.

Nie habe ich eine überfahrende Katze oder einen verendeten Hund auf der Straße gesehen, obwohl sich die gelben Istanbuler Taxi`s alle Mühe geben, die Anzahl der Tiere durch forcierte Fahrweise niedrig zu halten. Doch auch hier kann man gut beobachten was durch Lernen und Anpassung alles möglich ist. Einige Lehrsätze aus der Istanbuler Survival Card:

  1. Alles was Gelb ist, trachtet dir nach dem Leben.
  2. Alles was zwei Beine hat, will dir etwas verkaufen.
  3. Alles was in Eimern gesäubert wurde, hört auf den Vornamen Coli.

Wer nach Berlin fährt (die von der jungen Generation meistbesuchte Stadt Deutschlands) oder nach Hamburg (hier fühlen sich Singles am wohlsten) oder München (die Stadt der kinderlosen Paare) der wird sicher viel erleben, wer aber nach Istanbul fährt, der reist in einen brodelnden Hexenkessel mit einem aufsehenerregenden Haustiermodell. Allein dafür lohnt es sich schon Herr Opaschowski, sie in die Liste der Aufsehen erregendsten  Städte der Welt aufzunehmen.