Statusattribute entscheiden darüber, wo wir reinkommen.

Nicht das ich besonders in bin und mich dauernd an den Hotspots dieser Welt aufhalte. Doch das eine oder andere Mal besucht selbst ein Landei wie ich sogenannte angesagte Location, also Kneipen die völlig überteuert und überfüllt sind. Und so sicher wie Bono weiter die Welt retten wird, so sicher lauern vor diesen Location Türsteher. Sie sind es, die die Entscheidung treffen, ob ich mit meiner bedauernswerten Erscheinung und kläglichen Anwesenheit zu den Menschen gehöre, die wirklich in und dann drin sind. Wie machen diese Höllenhunde der Vergnügungsszene das eigentlich, Menschen einschätzen?

Mich hat nur das Reinkommen interessiert, die Wissenschaftlerin Laura Rivera dagegen wollte wissen wie Türsteher in Sekundenbruchteilen Entscheidungen fällen, um den Status einer Person festzustellen. Dazu heuerte sie als Mitarbeiterin in einem New Yorker Nachtclub an, verkaufte Zigaretten und machte die Garderobe. Was sie herausfand werden viele von uns, wenn nicht wissen, so doch vermuten. Man muss die richtigen Leute kennen oder wenigstens jemanden kennen, der die richtigen Leute kennt. Das sind Menschen mit Geld, politischem Einfluss, Prominente aus Film, Fernsehen und Wirtschaft.

Um solche Menschen aus dem allabendlichen Strom der Gäste herauszufiltern, bedienen sich die Türsteher eines hierarchischen Systems, dass ihnen Entscheidungen in Sekundenbruchteile erlaubt. Neben der Zugehörigkeit zu der „richtigen“ Gruppe zählen dazu Geschlecht, Kleidung, ethnischer Zugehörigkeit und Nationalität. So hat z.B. eine junge Frau in Jeans bessere Aussichten eingelassen zu werden als ein gutgekleideter dunkelhäutiger Mann in Anzug. Pech gehabt, der Kerl hat schlicht einen niedrigeren Status als die Frau. Und bleibt draußen.

Kann man blöd finden, doch Türsteher gibt es nicht nur vor den Clubs. Denn deren System findet sich auf anderen Feldern wie z.B. der Aufnahme in eine renommierte Universität oder Sportclub. So belegen Forschungsergebnisse, dass Personen, die mit einer niedrigeren Rangstufe assoziiert werden, deutlich weniger Möglichkeiten geboten, seltener ermutigt und kritischer beurteilt werden. Das führt zu Frustrationen und sorgt dafür, dass deren Leistungen im Laufe der Zeit schlechter werden. So wird mit oberflächlichen Statusattributen schnell ein sehr effektives System der Ungleichheit zementiert. Dieses Wissen könnten wir einsetzten um unsere eigenen Türsteherhaltungen im Zaum zu halten und ein wenig genauer hinzusehen, wie wir Menschen bewerten.

Ich gehöre noch nicht zum Freundeskreis von Bill Gates, bin zur Zeit keine schicke Frau, mein politischer Einfluss liegt unter dem einer Eidechse und meine Prominenz wird außer von mir, von jedem anderen bestritten. Das System der Türsteher ist sehr fehleranfällig. Wie schön.