Eine alte Regel besagt, dass man gute Geschäfte nicht am Konferenztisch, sondern auf dem Golf- oder für die etwas ärmere Klientel wie unsereins, auf dem Fußballplatz macht. Allerdings ist das nur die halbe Wahrheit. Alkohol muss auch noch dazu kommen, dann flutscht es erst so richtig.

Menschen sind gesellige Wesen und lieben es geradezu sich mit anderen auf ein Gläschen zu treffen. Die aktuell beliebtesten Treffpunkte sind die Weihnachtsmärkte und hier insbesondere die Glühweinbuden. Hier trinkt selbst der Gourmet, dem sonst nur ein Château Lafite Rothschild in sein Glas kommt, eine rote Flüssigkeit die liebevoll Glühwein genannt wird und große Ähnlichkeit mit Abbeizmitteln aufweist. Allerdings sorgen Abbeizmittel, soweit ich das beurteilen kann, nicht für eine derart bombige Stimmung. Da bleibt es nicht aus, dass man sich besser kennen lernt. Ob das auch am nächsten Tag noch eine Bereicherung ist, steht auf einem anderen Blatt.

Wieso machen wir das? Weshalb stellen wir uns an zugige Buden, trinken überteuerten Fusel, ertragen kalte Füße und nehmen sehenden Auges mörderische Kopfschmerzen in Kauf? Die Antwort scheint ganz einfach zu sein. Alkohol ist sozialer Schmierstoff. Gelegentlich allerdings mit unschönen Nebenwirkungen. Denken Sie an die letzte Fortbildung mit Übernachtung und vor allem an die zerbeulte Person die Ihnen morgens im Spiegel begegnet ist und steif und fest darauf bestand, Sie selbst zu sein. Dennoch, Menschen mit denen wir uns einen genehmigt haben, den trauen wir eher über den Weg als anderen. Saufen verbindet eben weil man vom Anderen Dinge erfährt, die sonst hinter der Fassade liegen bleiben.

Besoffene und Kinder sagen stets die Wahrheit. Wenn es für diese Behauptung überhaupt noch eines Beweises bedarf, dann schauen Sie sich den Film „Der Gott des Gemetzels“ an. Nüchtern bewegen sich die zwei Ehepaare noch in gewohnten Bahnen, mit jeder weiteren Promille im Blut wird allerdings immer öfter der Weg in den Stall eingeschlagen um die Sau raus zu lassen. Am Ende weiß man dann aber, wen man vor sich hat.

Das dachte auch der Wissenschaftler Justus Haucap, Vorsitzender der Monopolkommission und Direktor des Düsseldorf Institute for Competition Economics, der in einer Studie von der Hypothese ausging, dass es zwei Arten von Menschen gibt. Dem einen Typ vertraut man und arbeitet gern mit ihm zusammen, den Anderen  sieht man am liebsten von hinten. Allerdings sind wir laut Haucap erst in der Lage den Einen vom Anderen zu unterscheiden wenn wir mit ihm in näheren Kontakt getreten sind. Und Alkohol ist dabei das Mittel der Wahl um herauszufinden wen wir vor uns haben.

Jetzt wird mir klar wo Geschäftsessen ihre Grundlage haben. Man wird eingeladen, bekommt teuren Wein in genügend großer Menge in der Hoffnung, dass man sein Innerstes auf Links zieht und sich von Glas zu Glas um Kopf und Kragen redet. Allerdings macht Haucap hier eine Einschränkung. Wenn Blackouts und große Erinnerungslücken im Spiel sind, funktioniert die Nummer nicht mehr. Sonst schon. Na denn Prost.

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