Wenig Zeit, viele Patienten da kann schon mal die eine oder andere Information in der Arztpraxis untergehen. Und seien wir einmal ehrlich, es ist denn so schlimm eine Behandlung erfolgreich beendet zu haben, die man nie hatte. Hauptsache ist doch, man ist gesund oder? Wer das anders sieht und nicht immer nur meckern will, unterstützt den Arzt seiner Wahl und legt sich die eigene Krankenakte auf dem Handy an.

Die Gesundheitskarte kommt, kommt vielleicht, kommt abgespeckt oder kommt gar über das Anfangsstadium nicht hinaus. Wozu eigentlich noch das ganze Spektakel, wir haben doch alle Handys. Weltweit gibt es ca. fünf Milliarden davon und die Abdeckung übersteigt in vielen Ländern die 100% Marke. Wir werden demnächst mit den Dingern bezahlen können und es ist nur eine Frage der Zeit bis wir soweit sind wie die Schweden, die ihr Bargeld abschaffen wollen. Wenn es unser Geld ersetzen kann, dann wird es doch auch in der Lage sein, die Versichertenkarte zu ersetzen. Ansätze dazu bietet die Firma 3GDoctor. Hier kann jeder seine medizinische Geschichte auf dem Handy erstellen und pflegen. Damit befinden sich alle Diagnosen, Infos zu Medikamenten, Behandlungsverläufe, Namen von Ärzten usw. an einem zentralen Ort. Handy rüber geschoben und jede Arzthelferin/Arzt weiß was los ist.

Mir hätte das gefallen und bei einem meiner vergangenen Arztbesuche sehr genützt. Mein Hausarzt hatte mich zu einem Spezialisten überwiesen. Wenn ich schon krank bin, dann nicht mit so einem Allerweltskram, dann muss es schon was ausgefallenes sein. Ich mache mich also auf den Weg und finde eine großräumige, den Charme der frühen 50ziger Jahre, versprühenden Praxis vor. Allerdings sollte mein anfänglicher Eindruck, dass tiefes Braun als Leitfarbe die Abwesenheit von PC´s nach sich zieht, als falsch herausstellen. Auch röhrende Hirsche und ausgestopfte Dackel fanden sich nirgends. Hier wurde nicht mehr mit Steintafeln, sondern mit modernen Kommunikationsmitteln gearbeitet.

Während ich auf der Untersuchungsliege eine möglichst entspannte Haltung vortäuschte und der Arzt in der Ecke des Raumes, mit dem Rücken zu mir, am PC laut meine Vorgeschichte durchging: „Aha Herr Schröder, das ist ja ganz wunderbar. Sie haben die OP gut überstanden, die Werte sind exzellent. Großartig!“ Während er sich seinem bahnbrechenden Erfolg nahezu widerstandlos hingab und eine Ernennung durch das Nobel Komitee nicht mehr für ganz ausgeschlossen hielt, nahm ich meinen ganzen Mut zusammen (einem Arzt zu widersprechen ist eine heroische Leistung, wer weiß was der Kerl unter Narkose mit einem so alles anstellt) und antwortete ihm: Äh, ich wurde nicht operiert Herr Doktor.

Nachdem er sich, mit der Schnelligkeit einer Mittelstreckenrakete, zu mir umdrehte und dabei feststellte, dass ich ganz offensichtlich ein anderer Schröder war, lachten wir beide herzlich und begruben das kleine Missgeschick wie den Hamster der Kinder, der die pralle Sonne auf dem Balkon wider Erwarten doch nicht ganz so gut vertragen hatte. „Kann schon mal passieren Herr Doktor, ist ja kein Beinbruch“.

Künftig schiebe ich in jeder Praxis erst einmal mein Handy rüber. Da ist ein Bild drauf und bei Interesse der eine oder andere aktuelle Blutwert. Nur so, falls es mal zu Verwechselungen kommt. Man weiß ja nie.