Dürfen, müssen aber nicht.

Neulich in der Post. Meine Krankenkasse möchte sich liebevoll meiner Wirbelsäule annehmen: „Der Rücken wird`s Ihnen danken Herr Schröder“ und mein Optiker widmet sich hingebungsvoll den Auswirkungen meiner Hardrockvergangenheit: „Lieber Herr Schröder, wir haben Hörgeräte jeder Preisklasse“. Ich bin gerührt. Da sitzen irgendwo, in hellen Großraumbüros, liebevolle Menschen die sich um mich sorgen. Sie möchten mich, für ein langes und unbeschwertes Leben, weit über die Zeit meiner Berentung hinaus, fit halten. Das finde ich gut. Und das findet die Wirtschaft auch. Denn immer öfter wird das Wissen der Rentner wieder ins Unternehmen zurück geholt. Wäre doch schade wenn`s bei mir daran scheitert, weil ich gramgebeugt und taub bin.

Obwohl in der europäischen Union das Renteneintrittsalter steigt, wird in Deutschland die Hälfte der Führungskräfte mit 60 Jahren, ein Viertel zwischen 62 und 63 Jahren und lediglich ein weiteres Viertel, nach Erreichen der gesetzlichen Altersgrenze in den Ruhestand verabschiedet. Diese von der Hans-Böckler-Stiftung veröffentlichten Zahlen werfen eine wesentliche Frage auf. Wie wird verhindert, dass mit dem Ausscheiden der Mitarbeiter auch deren Wissen für die Unternehmen verloren geht? Eine Antwort darauf gibt die Bosch Management Support GmbH (BMS). Sie bietet mit zurzeit 800 Mitarbeitern, vom Meister bis zum Manager, weltweite Beratungsdienstleistungen an. Ob es sich um Reorganisationen, Prozessoptimierungen oder Qulitätsverbesserungen handelt, das Leistungsspektrum der BMS ist umfangreich. Das Besondere liegt nicht in der großen Kompetenz des Unternehmens, sondern in den Mitarbeitern selbst. Sie sind ehemalige Boschmitarbeiter, Renter um genau zu sein.

Sie kennen Bosch in- und auswendig. Sind gut vernetzt und auf ihrem jeweiligen Gebiet Fachleute. Mit diesem Konstrukt schlägt die BMS, anfänglich auch als Bosch Metusalem Support bespöttelt, zwei Fliegen mit einer Klappe. Das Wissen der Ausgeschiedenen bleibt Bosch erhalten und die Rentner ersparen teure Beraterkosten. Dieses Modell, Daimler und die Allianz verfolgen ähnliche Ansätze, ist eine typische Win-Win-Situation. Zumal die Berater natürlich freiwillig ihre Unterstützung anbieten und nur solange und so viel arbeiten wie sie möchten. Darüber hinaus finden die, die sich nicht mit einem typischen Rentnerdasein zwischen Hollywood Schaukel und Wellness Kurs zufrieden geben wollen, ein großartiges Betätigungsfeld. Sie dürfen arbeiten, müssen aber nicht. Eine attraktive Variante.

Eine Variante, die mir dank des gelungenen Zusammenspiels meiner Krankenkasse und meines Optikers nun auch offen steht. Ich werde lange gesund sein und noch heute ich die rsu-Rentnergang gründen. Wir werden der Schrecken der nach uns kommenden.