Die böse Schwester des Burn Out

Da stehen wir, mein Nachbar und ich, mit Spaten, Hacke und Besen bewaffnet um dem Unkraut in unseren Vorgärten den Garaus zu machen. Nun sind die Bremer Vorgärten meist keine Versailler Parklandschaften und Ihre Pflege ist daher schnell erledigt. Es sei denn man leidet wie wir unter dem Bore Out Syndrom: Wenig Arbeit über einen langen Zeitraum verteilen und viel stöhnen. Mit einem Kaffee auf der Gartenbank versteht sich. Man muss sich schließlich erholen.

Was bei uns beiden Hobbygärtnern nur bodenlose Faulheit ist und den Versuch darstellt bei den eigenen Frauen im guten (arbeitsamen) Licht zu erscheinen, ist in der Arbeitswelt ein bisher noch wenig bekanntes Phänomen das als Bore Out bezeichnet wird. Es handelt sich hierbei um den Zustand der Langeweile durch Unterforderung. Menschen die einen Bore Out haben sind mit ihrer Situation am Arbeitsplatz unzufrieden weil sie sich nicht ausgelastet fühlen. Statt ihre Situation zu verändern verlängern viele der Betroffenen paradoxerweise diesen Zustand. Zum Beispiel durch die Flachwalzstrategie. Dabei wird die Arbeit so sehr in die Länge gezogen, dass sie ein Vielfaches ihrer normalen Erledigungszeit benötigt. Das Arbeitsvolumen wird flachgewalzt.

Erklärt wird dieses Phänomen mit der fehlenden Lust an der Arbeit. So wie eine ständige Überforderung am Arbeitsplatz zu einem Burn Out führen kann, so kann die Unterforderung zum Bore Out führen. Die Theorie wurde von Philippe Rothlin und Peter R. Werder, basierend auf den Studien von Dan Malachowski, The Gallup Organisation und Kelly Services, entwickelt.

Während meiner ersten Auseinandersetzung mit dem Thema fand ich den Gedanken, dass es heute noch Mitarbeiter geben soll die aus Langeweile ihre Arbeit auswalzen sehr unwahrscheinlich. Fast alle die ich kenne stöhnen schon mal über den Stress im Job der ihnen den Spaß an der Arbeit verleidet, aber niemals über wenig interessante Arbeit. Allerdings habe ich auch nie intensiver darüber nachgedacht ob die Arbeit abwechslungsreich und herausfordernd genug ist, um nicht als lästige und Nerv tötende langweilige Routine erlebt zu werden. Vielleicht ein Plädoyer für einen turnusmäßigen Wechsel der Aufgaben und Verantwortlichkeiten?

Allerdings und das sei den Bore Out Therapeuten gesagt, sie sollen nicht daran denken, dass es leicht zu heilen ist. Denn nichts ist so lustvoll wie das Stöhnen über langweilige und viele Arbeit. Und das Ergebnis davon: Man bekommt sogar von den Nachbarn unaufgefordert Kaffee spendiert. Der arme Kerl.

Mehr dazu hier…