Falsche Entscheidungen können einem das Leben so richtig schwer machen.

Da freue ich mich auf einen schönen Abend mit launigen Menschen, gutem Essen und dem einen oder anderen Gläschen Wein und dann das: „Sag mal, wie bist du mit den falschen Entscheidungen in deinem Leben eigentlich umgegangen?“. Wow, das ist mal eine steile Eröffnung für einen entspannten Abend. Da wandelt man so nolens volens durchs Leben, ist mit dem Ergebnis einigermaßen einverstanden und schaut darauf wie der Gärtner auf seine Streuobstwiese, in der der eine oder andere faule Apfel am Boden munter vor sich hin gammelt. Und über dieses moderige Zeug wollen wir jetzt reden?

Unstrittig ist sicherlich, dass Menschen, wenn sie nicht gerade bewegungslos in der Flughafentoilette ihr Leben fristen, falsche Entscheidungen treffen. Wobei man trefflich darüber streiten könnte, ob nicht gerade diese Entscheidung den verstopften Luftraum entlasten und eine ausgesprochen positive Wirkung auf unsere Umwelt hätte. Doch das ist eine andere Geschichte. Entscheidungen wie die zu spät eingereichte Bewerbung auf den nächst höheren Posten, das abgebrochene Studium oder der Entschluss keine Kinder zu haben, können sich im Nachhinein als falsch herausstellen. Und viele Entscheidungen können nicht mehr rückgängig gemacht werden. Was also tun, wenn man meint, so richtig in die Schei… gegriffen zu haben? Da gibt es die sonnigen Gemüter, die sich möglichst wenig Gedanken darüber machen wollen und das Leben eines Autofahrers ohne Seiten- und Rückspiegel führen. Die anderen hingegen fahren auf den nächsten Parkplatz und richten sich mit Campingstühlen und allem was zu einem längeren Aufenthalt nötig ist, gemütlich ein. Immer die verpasste Ausfahrt des Lebens sehnsuchtsvoll im Blick.

Die kanadische Wissenschaftlerin Isabelle Bauer hat sich auch mit der Frage beschäftigt, wie man am besten mit falschen Entscheidungen umgehen sollte. Also auch damit, was wir mit Gefühlen wie Reue und Bedauern anfangen wollen. Dabei kam sie zu erstaunlichen Ergebnissen. Je mehr sich die Menschen in ihrem Umfeld nach anderen umsahen, denen es deutlich schlechter ging als ihnen selbst, desto besser kamen sie mit ihren eigenen Fehlentscheidungen zurecht. Getreu dem Motto: „Suche dir immer jemanden, dem es noch schlechter geht als dir selbst, dann geht es dir besser.“ Dieser Vergleich mit anderen Personen oder anderen Gruppen im eigenen Umfeld hatte positive Auswirkungen auf den Umgang mit den eigenen Schwierigkeiten und deren Bewältigungsstrategien.

Danke Frau Bauer. Das ist gut zu wissen. Ich werde also künftig nur noch Einladungen von Personen annehmen, die kleinere Autos, kürzere Urlaubsreisen, weniger Kinder, mindestens einen trinkenden Angehörigen sowie einen Schulverweigerer in der Familie und mindestens zwei Scheidungen hinter sich haben. Das ist meine Kompensationsstrategie für die eigenen Schwierigkeiten und Garant dafür, keine komischen Fragen mehr gestellt zu bekommen.