Was Otto und Marie Normalarbeiter schon lange wissen, haben jüngst wieder einige Studien bestätigt. Nichts ist so schädlich für die Produktivität wie starren Regel und Verordnungen. Allerdings fand ich bisher in keiner der aktuellen Studien das berühmte „Handtuchdilemma“. Eine unverzeihliche Nachlässigkeit.

Da haben sie 1800 Fach- und Führungskräfte sowie Selbstständige aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zum Thema Werte befragt. Was ist ihnen wichtig, nach welchen Vorstellungen handeln sie usw. Dabei kam, als eines von mehreren Ergebnissen heraus, das Fach-und Führungskräfte sehr gut wissen, wie etwas am besten gemacht wird. Deshalb ermöglicht gestalterischer Spielraum in der Umsetzung, eine größere Nutzung dieses Potenzials. Oder einfacher ausgedrückt: Lass die Leute einfach machen, dann kommt meist auch etwas Gutes dabei raus.

Doch die Realität in vielen Unternehmen ist oft eine andere. Da gibt es jede Menge Vorschriften, kilometerlange Qualitätshandbücher und nicht zu vergessen, persönliche Vorlieben des Chef`s. „Herr Schröder, bei uns ist es nicht üblich, sich die Brötchen im Konferenzraum  reinzuschlagen, bevor der Chef diese frei gegeben hat.“ Aha, und wenn der auf Diät ist, gibt es heute wohl nichts zu essen, nur was zu gucken? So kann das einfach nichts werden mit der Produktivitätssteigerung durch Spielraumerweiterung.

Doch es wartet Licht am Ende des Horizonts auf all die verloren Seelen, die an den starren Regeln in ihren Unternehmen schier verzweifeln. Das Handtuchdilemma. Um es zu verstehen stellen Sie sich bitte eine x-beliebige Küche, im Zweifel auch meine vor. In dieser Küche gibt es zwei Sorten von Handtüchern. Geschirrhandtücher und Händehandtücher. Die einen, wie der Name schon sagt, sind zum trocknen des Geschirrrs, die anderen zum trocknen der Hände vorgesehen. Eine Cross-Over-Nutzung (so nennt man das in Marketinghaushalten), wie es vielleicht Uneingeweihte versuchen würden, scheidet wegen der bestehenden Hygienevorschriften aus.

Dabei stellt sich dem Uneingeweihten noch ein anders Problem. Die Handtücher sind nur auseinander zu halten, wenn man deren innere Logik versteht. Geschirrhandtücher sind kürzer, Händehandtücher länger. Nun bin ich bekannt dafür eine „kleine alte Küchensau“ zu sein, die sich nicht sonderlich um Qualitäts- oder Hygienevorschrift kümmert. Allerdings bin ich auch bekannt dafür, eine ausgeglichene und harmonische Ehe führen zu wollen. Was den unbekümmerten Cross-Over-Gebrauch der Handtuchwelt auf die Abwesenheitszeiten meiner Ehefrau beschränkt.

In diesen Zeiten sind meine Produktivitätsgrenzen unendlich und meine Performance Überirdisch. Gar nicht auszudenken was passierte, wenn ich das zu allen Zeiten tun könnte. Gut die Verseuchung der Küche erreichte Höchststände. Aber wie heißt es so schön: Wo gehobelt wird, fallen Späne und neue Handtücher kosten auch nicht die Welt.

Die vollständige Studie gibt`s hier als pdf