Fehler machen ist normal sagen alle. Doch jeder will sie vermeiden. Ist das überhaupt gut?

Mal eben mit der flachen Hand übers Kochfeld wischen um die Brotkrümel zu beseitigen. Kein großes Ding, solange die Kochfelder kalt sind. Klassischerweise brauchte ich zwei Versuche um die Erfahrung zu machen, dass solche Kochfelder auch heiß sein können und dann für die Handflächen nicht der geeignetste Ort sind um sie drauf zu legen. Seit diesen Erfahrungen habe ich mich von der Null-Fehler-Strategie verabschiedet und bin ein glühender Verehrer des EMT.

Fehler kosten Geld, Nerven sowieso und eigentlich sind sie ziemlich überflüssig. Sie machen nur Arbeit, ärgern einen irgendwie und gehören abgeschafft. Es gibt sie in unterschiedlichen Ausprägungen. Böse, wie die zurückgelassenen Scheren im Bauchraum des frisch Operierten und weniger böse, wie die zugeschlagene Autotür bei gleichzeitigem stecken lassen der Schlüssel im Zündschloss. So schlimm das auch sein mag, Fehler werden sich nicht vermeiden lassen. Was sich ändern kann ist der Umgang mit Fehlern.

Galt bisher doch das Verständnis dass Fehler zu nichts nütze sind und um jeden Preis vermieden werden müssen. Das Resultat dieses Verständnisses war nicht selten ein Kultur der Angst. Um aus Fehlern zu lernen, dass das nicht die beste Voraussetzung. Denn dazu muss man angstfrei ausprobieren. Wer jemals versucht hat ein gutes Eis selbst herzustellen wird wissen, wie viel Anläufe es braucht. Um Gutes zu erzeugen muss man sich erst einmal wahlweise durch Blöcke ungenießbaren kalten Gesteins beißen oder literweise dünnflüssige Pampe ins Spülbecken entsorgen. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen beschreibt diese Erfahrungen treffend.

In den Unternehmen wird diesen Erkenntnissen zunehmend Rechnung getragen. Ein Ansatz ist das EMT (Error Management Training). Hier werden Lernende geradezu ermutigt Fehler zu machen. Im Gegensatz zu anderen Vorgehensweisen werden im EMT den Lernenden Übungsfelder zur Verfügung gestellt die sie selbsttätig erkunden können ohne dass ihnen sofort ihre Fehler angezeigt werden. Erst nach einer ausführlichen Übungsphase erfolgt der Hinweis auf die Fehler. Dadurch wird die Angst vor Fehlern reduziert. Die wichtigste Basis um zu lernen.

Ich wische immer noch über die Kochfelder. Allerdings schaue ich vorher kurz auf die Warnlämpchen. Leuchten Sie rot ist meine Zeit noch nicht gekommen. EMT hat gewirkt.