Klaus Wawrzyniak Elbe KlinikenFacebook ist das weltweit größte Soziale Netzwerk. Da müsste doch jedes Unternehmen sofort auf die Idee kommen, sich dort zu präsentieren. Sei es nun, um das Unternehmen vorzustellen, aber noch viel wichtiger, um geeignete BewerberInnen anzusprechen. Die großen Industrie- und Dienstleistungs-unternehmen sind da schon sehr aktiv, wie die Beispiele der Deutschen Flugsicherung, der Allianz oder Bayer zeigen. Doch wie ist es um die Kliniken bestellt? Darüber habe ich mich mit dem Personalleiter der Elbe Kliniken Klaus Wawrzyniak unterhalten.

Die Charitè Berlin, eine der größten Universitätskliniken Europas ist auf Facebook vertreten. Aktiv ist sie dort eher nicht, wie der aktuelle Stand ihrer Facebookseite zeigt. Damit ist sie kein Einzelfall. Viele andere Kliniken handhaben es ähnlich. Für sie scheint ausreichend zu sein, irgendwie auf Facebook vertreten zu sein. Ein Ziel ist mit dem Auftritt nicht zu erkennen.

Ist das nur Zufall oder steckt mehr dahinter? Natürlich war das eine rein rhetorische Frage. Keinesfalls glaube ich an einen Zufall, sondern vielmehr daran, dass die entscheidenden Leute in den Kliniken einerseits den Nutzen nicht sehen und andererseits das Medium nicht verstehen. Was liegt da näher, als dieses (Vor-)Urteil durch ein persönliches Gespräch zu entkräften oder zu bestätigen.

Die Elbekliniken mit ihren Standorten Stade und Buxtehude versorgen ca. 30.000 stationäre Patienten pro Jahr. Sie hat 773 Betten und 1800 Beschäftigte. Ihren Personalleiter Klaus Wawrzyniak fragte ich nach der Bedeutung der Sozialen Netzwerke. Hier ein Auszug aus dem Gespräch.

Ist Ihre Klinik auf Facebook vertreten?
Nein, zur Zeit nicht. Wie sind gerade dabei die Planungen für unsere neue Homepage abzuschließen, die im Frühjahr 2011 online gehen soll. In diesem Zusammenhang überlegen wir auch die Nutzung von Sozialen Netzwerken.

Wie wichtig sind Facebook und Co für die Klinik?

Definitiv wichtig. Soziale Netzwerke sind für uns von großem Interesse. Dabei ist es allerdings von größter Wichtigkeit hier vorsichtig vorzugehen. Keinesfalls darf Facebook dazu genutzt werden, platte Werbung zu verbreiten, im Sinne von: „Wir sind das größte, beste und schönste Krankenhaus mit den tollsten Jobs.“ Gefragt sind Informationen, die die Nutzer weiter bringen, indem sie ihnen Wissenswertes über unsere Klinik mitteilen.

An welche Nutzer denken Sie in erster Linie?
An Auszubildende. Facebook würde unsere bereits eingeschlagene Strategie, mit Schulen in der Umgebung zusammen zu arbeiten, unterstützen. In diesem Zusammenhang erscheint mir die Ansprache dieser Zielgruppe auf Augenhöhe emminent wichtig. Nicht nur der Personalleiter zu den Nutzern, sondern unsere Auszubildenden zu den Nutzern. In diese Richtung geht auch unsere Planung, ein Azubi-Blog zu starten.

Welche Strategie steht hinter Ihrem Vorgehen?
Wir möchten mit dem gezielten Einsatz einer gelungenen Website, aussagekräftigen Karriereseiten, einer Facebookseite, Xing Nutzung und eines Azubi-Blog`s einen realistischen Einblick in unser Unternehmen ermöglichen. Wenn  Sie so wollen, möchten wir es Jobinteressenten so leicht wie möglich machen, auf vielen unterschiedlichen Kanälen authentische Informationen zu erhalten und ganz wichtig, uns auch direkte Rückmeldungen geben zu können. Wir sind interessiert am Dialog und wollen weg von der Einweginformation, die gestern noch üblich war und heute niemanden mehr anspricht.

Interessant fand ich Wawrzyniaks Hinweis, nicht in die Falle der platten Werbung zu laufen und somit von den Nutzern mit Nichtachtung gestraft zu werden. Denn eigentlich macht ein Großteil der Kliniken nichts anderes als das. Wie das ankommt, sieht man an der Zahl der Fans, die sie haben.

Trotz der großen Begeisterung für Facebook, sehen viele Nutzer die Präsenz von Unternehmen dort noch mit Skepsis. Eine Studie der  Unternehmensberatung Kienbaum ergab, dass es 45% der Befragten ablehnten bei einer Jobsuche Fan oder Follower einer Unternehmenspräsenz in den Sozialen Netzwerken zu werden. Dies würden sie nur tun, wenn es keine andere Möglichkeit gäbe. Zu groß ist die Angst, dass die Unternehmen private Dinge erfahren, die sie besser nicht sehen sollten.

Dennoch wird in dieser Studie auch deutlich, welche Vorteile aus Sicht der Nutzer darin stecken. In erster Linie sind das der schnelle Kontakt zum Unternehmen bzw. zum Personaler und den Erhalt aktueller Unternehmensinfos.

Es ist also auf beiden Seiten noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Den Nutzern die Angst vor dem Verlust der Privatsphäre (wie schütze ich meine Daten auf Facebook) zu nehmen und den Kliniken die Unsicherheit (was gehört rein in Facebook was nicht, wer darf was im Unternehmen sagen und was nicht usw.) auf dem gelegentlich durchaus glatten Feld der Sozialen Netzwerke nicht ins Schlittern zu geraten.