Was Kooperationen erst möglich macht.

In jedem Unternehmen wird selbstverständlich davon ausgegangen, dass Abteilungen zum Wohl und Gedeihen des Gesamten zusammen arbeiten. Sie sollen kooperieren. Bei Kooperationen über Unternehmensgrenzen hinweg wird es erwartet und bei Übernahmen vorausgesetzt. Dieses Denken basiert auf der Annahme, dass ein jeder den Sinn von Kooperation einsieht. Doch woher soll das kommen, wenn wir alle mehr oder weniger täglich die Erfahrung machen, dass ein Gegeneinander den Alltag ausmacht.

Leiter der IT-Abteilung: „Das verdammte Arschloch von Müller. Letzte Woche stellt er mich in der Abteilungsleiterversammlung als Deppen hin und heute soll ich ihm mal schnell seinen Rechner austauschen. Na, der wird staunen wie wundersam lang mitunter die Bestellung eines Rechners dauern kann….“ Ein Kriegsschauplatz wurde soeben eröffnet. Hier zählt Raumgewinn, Gefangene werden nicht gemacht und Ziel ist die völlige Unterwerfung des Feindes. Triumphierend, wie weiland Julius Caesar, wird der Sieger durch die Unternehmensflure galoppieren. Dabei wurde doch explizit in den Unternehmensleitsätzen die Verankerung einer Win-Win-Kultur festgeschrieben. Na ja, das kommt dann später, wenn der Kampf gewonnen wurde. Dann können wir auch wieder Freunde sein. Er im Kellerverlies und ich auf dem Sonnendeck.

Wer in solchen Kampfkategorien denkt und handelt wird es Zeit seines Lebens schwer haben, Kooperationen etwas abzugewinnen. Zu gefährlich ist der Gedanke, Wissen, Zeit und Engagement zu investieren und am Ende ausgenutzt zurück zu bleiben. Da ist es besser, weiter für sich zu arbeiten. Ein solches Denken beschränkt sich bei Weitem nicht auf gekränkte IT-Leiter. Es findet sich mehr oder weniger ausgeprägt bei uns allen, dem homo oeconomicus . Es ist unser Impuls nicht teilen zu wollen. Mein Auto, mein Haus, meine Jacht, mein Stammhirn. Doch teilen ist ein zentrales Element der Kooperation.

Um Zusammenarbeit als sinnvolles Vorgehen zu begreifen müssen Menschen sich klarmachen, warum sie kooperieren wollen. Bloß weil es aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen sinnvoll erscheint, sich gut anhört oder vom Unternehmen so gewollt wird, reicht nicht. Es braucht einen trifftigeren Grund und der ist ganz simpel: Es muss sich für die Menschen und Unternehmen schlicht lohnen. Wenn dies klar ist, kann auch offen darüber gesprochen werden. Die alten Lateiner haben es so zusammen gefasst: quid pro quo oder dieses für jenes. Die Anerkennung das es sich bei einer guten Kooperation schlicht um ein Geschäft handelt, ist gar nicht so verwerflich wie es sich anfänglich anhört. Gibts du mir, geb ich dir ist die nüchterne Geschäftsgrundlage. Es muss sich für beide Seiten lohnen. Wird das beherzigt klappt`s auch mit dem Nachbarn.

PS
Ein kriegerischer IT-oder sonstiger Leiter sollte vielleicht doch erst einmal in die Isolationszelle damit seine Kooperationsbereitschaft wieder über Erbsengröße hinaus geht. Anschließend könnte er ja die zukünftige Geschäftsgrundlage benennen. „Du haust mich in die Pfanne, davon hab ich nichts. Ich geb Dir keinen Rechner, davon hast Du nichts“. Solche Geschäfte sollten wir künftig nicht mehr machen, die lohnen sich nicht.