Jeden Morgen wacht in Afrika eine Gazelle auf und sie weiß, dass sie schneller laufen muss als der schnellste Löwe, um nicht gefressen zu werden. Jeden Morgen wacht in Afrika aber auch ein Löwe auf und er weiß, dass er schneller laufen muss als die langsamste Gazelle, um nicht zu verhungern. Soweit so gut. Soll das jedoch ewig so weiter gehen?

Beide Parteien, Gazelle wie Löwe arbeiten schon seit geraumer Zeit an einer Lösung dieses leidigen und vor allem täglich wiederkehrenden Problems. Doch wie in so vielen anderen sozialen Gruppierungen auch wird nicht zusammen an der Entwicklung einer schlagkräftigen Strategie gearbeitet, sondern jeder werkelt  allein vor sich hin. Immer nur auf den eigenen Vorteil bedacht. Die eine will den Abend noch munter im Familienkreis erleben, der andere möchte gut genährt, die afrikanische Mittagssonne im Schatten eines Affenbrotbaumes genießen. Höchste Zeit eine Lösung zu finden.

Ein Weg wäre, aus dem Rudel der Gazellen würde sich ein Tier den Löwen zum Fraße vorwerfen. Die übrigen Gazellen könnten dann entspannt den Tag angehen und die Löwen würden ihre Mahlzeit völlig stressfrei zu sich nehmen. Die elende, kalorienverbrauchende Rennerei in der Savanne hätte ein Ende und der Fototourismus würde durch ruhige Motive ebenfalls profitieren. Alles wäre gut, wenn es nicht diese kleine Unwägbarkeit gäbe. Welche Gazelle geht freiwillig zum Löwen?

Da erwartungsgemäß in diesem Fall die Freiwilligkeit tendenziell gegen Null gehen wird, ist hier ein Machtwort gefragt. Ganz so wie es unser ehemaliger Kanzler Gerhard Schröder so trefflich mit seinem „Basta, das wird gemacht“ zu formulieren wusste. Zur Not, sollten Anfeindungen folgen, kann sich der Bastachef darauf berufen, dass unpopuläre Entscheidungen getroffen werden müssen, auch wenn es im Einzelfall zu Härten kommen kann. Selbstverständlich ist dafür kein Dank zu erwarten. Aber das erwartet er auch nicht. Solange sich die Gazelle nur hinlegt.

Was uns zum Kern der Sache führt. Bevor gefordert wird, sollte erst einmal vorgelebt werden. Verzicht, freiwillige Leistungen (monetäre oder ideelle Opfer) oder das Gehen neuer Wege benötigt immer Glaubwürdigkeit desjenigen der dies fordert. Bastachefs die Wasser predigen, Wein trinken und ihre Bezüge schon mal vervielfachen sind die denkbar ungeeignetsten Partner in diesen harten Zeiten. Was gebraucht wird, sind Chefs die voran gehen, Berechenbar sind, Einfühlungsvermögen zeigen und den Mitarbeitern Wege in eine befriedigende Zukunft zeigen.

Einen lesenswerten Aufsatz dazu hat Robert Sutton in der Harvard Business Review (pdf) veröffentlicht.