Eingefleischte Verhaltensweisen ändern ist nicht die einfachste Sache der Welt, das wissen wir alle. Wer es ausprobieren will, bitte. Sie mögen gern Steaks, lieben zarten Fisch wissen allerdings dass sechsmal die Woche Fleisch auf dem Teller nicht die gesündeste Ernährungsform ist und Sie es besser lassen sollten? Der Geist ist willig sagen Sie, doch das Fleisch ist schwach. Kein Problem, lesen Sie den Bestseller von Jonathan S. Foer „TIERE ESSEN“ und Ihr Problem hat sich vielleicht erledigt. Denn nun wissen Sie wie das was Sie auf dem Teller haben, dorthin gekommen ist. Ob das Buch Ihr Verhalten grundlegend ändert, ist allerdings fraglich. Meist bleibt es beim Schock und anschließend zieht die Karawane weiter. Doch es gibt Verhaltensänderungen die einen längeren Atem haben.

Wäre es nicht hilfreich, Verhaltensänderungen mit positiven Emotionen, Spaß machenden Anreizen herbeizuführen? Das dachte sich auch Volkswagen. In Schweden riefen sie einen Nachhaltigkeitswettbewerb aus und nannten ihn „TheFunTheory“. Ziel war es, mit unterhaltsamen Aktionen Verhalten von Menschen zu ändern. Zu den Preisträgern gehörte eine Gruppe junger Leute, die die Treppe einer Stockholmer U-Bahnstation von einem Tag auf den anderen in eine Klaviertastatur verwandelten. Wer nun darüber ging, erzeugte Töne und konnte die Treppe sozusagen spielen. Das Ende vom Lied, 66% mehr nutzten die Stufen, obwohl gleich daneben eine Rolltreppe ist. Bravissimo. Emotionen sind also ein starkes Werkzeug um Verhaltensänderungen zu erwirken. Viel stärker als Verbote oder Belehrungen wie z.B. „bitte nutzen sie die Treppe, sonst werden sie fett und sterben an Herzversagen“ es je sein könnten.

Wenn das für die U-Bahn gilt, gilt das auch für Unternehmen? Praxisbeispiel. Der Chef stellt fest, dass seine Führungskräfte die neuen Ziele unvollständig oder gar nicht an die Mitarbeiter weiter geben. Er überlegt hin und her, was liegt zugrunde, wo ist das eigentliche Problem und wie es beseitigt werden kann. Es kommt zu einer Besprechung, der Chef stellt die Sachlage vor, erläutert ausgiebig was falsch läuft und wie es besser werden könnte. Alle nicken und er entlässt seine Mannschaft mit der Hoffnung, dass es jetzt alle verstanden haben. Ok, Sie wissen was passiert? Klar, nichts.

Der Chef fühlt, dass es besser werden muss, die Führungskräfte hören es, aber können es gefühlsmäßig nicht greifen. Es ist zu abstrakt. Sie müssen etwas hören vom Chef und sehen wie wichtig es ihm ist, damit sie es fühlen können. Humor, („Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Wollen wir einen Goldhandel aufmachen?“) Entschlossenheit („Das können wir besser.“) oder auch Mut („Wir werden unsere gesamte Kommunikation völlig umkrempeln.“) sind die Bausteine die es ermöglichen Menschen emotional mitzureißen. Und darauf kommt es an.

Erinnern Sie sich wie stark Emotionen unser Leben verändern, unsere Handlungen beeinflussen können? Nein? Wann waren Sie das letzte Mal verliebt? Wenn wir verliebt sind, fahren wir um die halbe Erde um den geliebten Menschen zu sehen. Niemand muss uns sagen, „komm, nun fahr schon zu ihr“ wir machen das aus eigenem Antrieb und lächeln dabei.
Vielleicht sollten wir das nächste Veränderungsprojekt doch mal anders anzugehen, als mit der nüchternen Aussage: „Bitte geben sie das an ihre Mitarbeiter weiter“.
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