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Wann hat eigentlich Tiger Woods mit dem Golfsport angefangen? Glaubt man den Chronisten, war er zwei Jahre alt, als er in der Mike Douglas Show den Zuschauern zeigte, was ein Golfer so alles drauf hat. Mit 8 gewann er die  Junior World Golf Championship. Und damit befindet er sich in der Reihe solch illusterer Persönlichkeiten wie Anne Sophie Mutter oder Michael Schuhmacher. Alle Ausnahmeerscheinungen auf ihren Gebieten. Gern auch Ausnahmetalente genannt. Doch ist es Talent, das sie zu ihren Spitzenleistungen befähigt? Mit Sicherheit nicht.

K. Anders Ericsson, Professor an der Florida-State-University wollte sich Anfang der 90er-Jahre nicht mit der Erklärung zufrieden geben, dass Spitzengeigerinnen wie A.S. Mutter ihre Ausnahmestellung nur ihrem überragenden Talent verdanken. In einem Versuch ordnete er Violine Studenten drei Gruppen zu. In der ersten Gruppe fanden sich solche mit dem Zeug zu Weltklasseviolinisten, in der zweiten die Orchestermusiker und in der dritten die Musiklehrer wieder.

Die Entwicklung war bei allen ähnlich. Mit 5 Jahren wurde ihr Talent entdeckt. Mit 8 Jahren allerdings begannen die Studenten aus der Gruppe der Weltklassespieler deutlich mehr zu üben. Mit 20 Jahren hatten sie 10.000 geübt, die Orchestermusiker 8.000 und die Musiklehrer 4.000 Stunden. Ericsson fand zudem keine Naturtalente die das Niveau der Weltklassespieler ohne diese intensiven Übungsstunden erklommen.

Gleichgültig ob Golfer, Rennfahrer, Komponist, Basketballspieler oder Violinistin, sie alle haben, um ihr Weltklasseniveau zu erreichen, intensiv geübt. Um genau zu sein, diese Leistungen waren nur mit mindestens 10.000 Übungsstunden zu erreichen. Diese 10.000 Stunden konnte der Neurologe Daniel Levitin in seinen Forschungen nachweisen. Seiner Einschätzung nach benötigt das Gehirn diese Zeit um alles zu „verdauen“ was nötig ist, um eine Tätigkeit wirklich zu beherrschen.

Wenn diese 10.000 Stunden Regel, also etwa 10 Jahre, für Sportler oder Künstler gilt, muss sie auch für das Management gelten. Demnach ist es ratsam, möglichst früh mit der Förderung von Managementnachwuchs zu beginnen, will das Unternehmen lange etwas davon haben. Doch nicht für jede/n potentiellen Manager steht anfänglich ein solcher Job zur Verfügung. Daher müssen die Managementfähigkeiten auch in einem Umfeld ausprobiert und gefördert werden, der keine Führungsverantwortung vorsieht. Das ist in übergreifenden Projekten möglich. Dort können die Führungskräfte von morgen lernen in Teilen Verantwortung zu übernehmen, Kollegen zu motivieren, eigene Impulse zu setzen und diese auch gegen Widerstand zu verteidigen und durchzusetzen.

Doch gleichgültig welche Strategie die Unternehmen im Einzelnen dabei verfolgen, für den Nachwuchs gilt, Talent ist hilfreich, fördernde Unterstützung durch andere wichtig, doch viel entscheidender ist schlicht, üben, üben, üben. Offensichtlich hatten unsere Urahnen doch nicht so unrecht, wenn sie daran erinnerten, Übung macht den Meister.