low-performer.jpgMeist waren wir zehn bis fünfzehn Jungen. Den Schulhof mussten wir uns mit ein paar Mädchen teilen, die am Rande Gummitwist spielten und Abzählreime aufsagten.  Bei Müllers hat`s gebrannt, brannt, brannt usw. Das zu beobachten, dafür hatten wir allerdings keine Zeit. Uns interessierten nur drei Dinge. War Karl da, wo war der Hausmeister und wer bekam Bernd. Karl hatte die Lederpille und nur mit ihr war Fußball wirklich Fußball. Der Hausmeister wollte sein Lebensmotto „Ein Schulhof ist kein Fußballplatz“ durchsetzen und Bernd war unbeweglich wie ein Sandsack. Wer ihn in der Mannschaft hatte, hatte ein wirkliches Problem.

Dennoch war völlig klar, Bernd spielt mit. Natürlich wurde bis zuletzt mit seiner Wahl gewartet. Und auch aufmunternde Kommentare wie „Also mein Lieber, steh diesmal nicht einfach nur rum, geh zum Ball“ musste Bernd ebenso ertragen wie Spott über seine unbeholfenen Versuche es doch schnell zum Ball zu schaffen. Dennoch, Bernd war Teil unserer Fußballclique. Undenkbar ihn auszuschließen. Dafür sprachen neben seiner Zugehörigkeit zur Clique, seine sonstigen Fähigkeiten (Mathefreak) von denen wir alle profitierten.

Wenn es nach Jack Welch dem ehemaligen Vorstandsvorsitzendem von General Electric (GE) und jetzigem Unternehmensberater ging, dann würden Menschen wie Bernd weder in Schulhofmannschaften noch in Unternehmensabteilungen eine Zukunft haben. Sie würden als Minderleister, oder wie  es so schön heißt Low Performer aussortiert. Zu Welch Zeiten bei GE mussten die Führungskräfte jedes Jahr die 10% der Mitarbeiter lokalisieren, die als Minderleister angesehen wurden. Auch in Deutschland macht sich dieses Denken breit. So warnt die Wirtschaftswoche davor, das „Minderleister das Klima vergiften“ und das Manager Magazin meint, dass sich kein Unternehmen in der jetzigen krisenhaften Zeit diese „gefährlichen Tunichtgute“ leisten kann. Japan geht da noch deutlich weiter. Dort werden Minderleister in eine Art Strafecke (madogiwa-zoku) versetzt. Schmach und Entwürdigung inklusive.

Am Ende eines solchen Weges würden Teams nur noch aus High Performern bestehen. Die universale Allzweckwaffe der Unternehmen. Doch jeder der irgendwann einmal mit Personalentwicklung zu tun hatte weiß, wir haben es mit ganz normalen Menschen mit Stärken und Schwächen zu tun und nicht mit Genies. Und statt nun gezielt Schwächen der Menschen auszugraben und sie dann zu Minderleistern zu degradieren, sollten sich Unternehmen dem Ausbau ihrer Stärken widmen.   Dieser stärkenorientierte Ansatz, an den der Managementforscher Peter Drucker Zeit seines Lebens glaubte, ist die beste Versicherung leistungsbereite und -fähige Mitarbeiter zu erhalten. Denn dort eingesetzt wo Menschen ihre Stärken haben, werden sie immer gute Leistungen bringen.

Bernd stand bei uns im Tor. Er arbeitet jetzt als Mathelehrer.