zugfahrt.jpgJeden Morgen vom Wohnort der einen an den Arbeitsort der anderen Stadt. Tausende leben diesen Alltag, einige freiwillig andere nicht. Doch niemand liebt es und die Folgen sind so katastrophal, dass ein Gegensteuern dringend nötig ist.

Aus eigener Erfahrung
Da saßen wir wieder, die Bahnjunkies der ersten Klasse auf dem Weg von Hamburg nach Berlin. Henkel- und Blaumann ersetzt durch Laptop und dunkler Anzug, bzw. Hosenanzug. Die Gesichter vergraben in Excel Tabellen, die Blackberrys an die Ohren getackert, den Kaffee auf dem rutschigen Tisch, die Schuhe leicht geöffnet oder gegen ein paar Schlappen aus dem Handgepäck getauscht. Gespräche hier und da, man  kennt sich, teilt das Schicksal auf Achse zu sein. Die einen fahren täglich, die anderen mehrmals wöchentlich diese Strecke. Das Großraumabteil als Erweiterung der Küche, des Büros oder des Wohnzimmers. Klingt eigentlich ganz gemütlich, ist aber alles andere als das.

Berufspendler leiden verstärkt an Schlafmangel, haben häufiger als andere Berufstätige Magenbeschwerden, Rückenschmerzen, Übergewicht, psychische Probleme und vermehrt Infektionskrankheiten. „Nicht ist einfacher als sich in einem Zug eine Erkältung einzufangen“ so ein Mitfahrender, „die man dann auch noch schlecht wieder los wird“. Die Erklärung für all die Anfälligkeit ist in dem erhöhten Druck zu suchen. Pendler haben ständig mit Verspätungen zu tun, die auf ihre Termine durchschlagen. Es steigt die Angst zu einem wichtigen Termin zu spät oder gar nicht zu kommen. Damit aber nicht genug, häufig verlassen Pendler ihre Wohnungen früh und kommen meist spät abends des gleichen oder in zwei bis drei Tagen zurück. Daher erleben sie ihre Kinder nur schlafend bzw. nur am Wochenende. Immerzu sitzen. Im Zug, dann ins Taxi und ab zum Termin. Zwischendurch schnell etwas aus dem Fastfood auf die Hand. Coffee to Go und weiter geht’s. Bewegung Fehlanzeige. Das Ergebnis: Übergewicht. Und noch etwas ist wenig erstaunlich. Pendler haben deutlich schlechtere Zähn als andere, da sie ihre Vorsorge- und Zahnarzttermine nicht auf die Reihe bekommen.

Umzug oder Pendeln?
Aristoteles würde sagen: „Die Dinge sind wie sie sind“. Doch darf getrost eingewandt werden, dass dies nicht der Weisheit letzter Schluss ist, wenn man sich die obigen Risikofaktoren vor Augen führt. Als Lösung bieten sich zwei Wege an. Zum Einen der Umzug. Die Menschen sollten dort hinziehen wo ihr Arbeitsplatz ist und die Sache wäre erledigt. Dem stehen allerdings erhebliche Widrigkeiten im Weg. Einerseits stehen am Wohnort nicht die richtigen Arbeitsplätze zur Verfügung, andererseits kann sich niemand sicher sein, seinen Job auch morgen noch zu haben. Dann steht er oder sie wieder vor der Entscheidung, mit Ross und Reiter umzuziehen.

Ist also der Umzug keine Option dann bleibt das Pendeln. Und dies gilt es zu erleichtern. Damit sind nicht bessere Sitze in der Bahn  gemeint, sondern Vorkehrungen die es den Pendlern erlauben, entspannter zu arbeiten. Denkbar wären hier betriebliche Arbeitszeitlösungen die es ermöglichen an vier Tagen länger zu arbeiten und am fünften gar nicht. Auch die Anrechnung der Reisezeit als Arbeitszeit, würde zur Entspannung beitragen. Schließlich ist es egal, ob jemand an seinem PC im Büro oder im Zug arbeitet. Darüber hinaus könnten in der betrieblichen Gesundheitsvorsorge Kurse angeboten werden, mittels derer man im Zug seine Fitness, z.B. durch gezielte Dehnübungen, steigern kann.

Pendeln muss keinen Spaß, darf aber in  keinem Fall krank machen
Glaubt man den Aussagen des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung zur Mobilität von Arbeitnehmern, dann ist das Pendeln die bevorzugte Alternative. Die weitaus meisten Menschen in Deutschland, für Europa zeichnen sich ähnliche Ergebnisse ab, wollen ihre sozialen Bindungen in ihren Heimatstädten für den Job nicht aufgeben. Von Bedeutung ist dieses Ergebnis letztlich auch für die Betriebe. Für sie heißt es, schlicht auch aus Eigennutz, die Gesundheit ihrer Pendler zu erhalten und zu fördern. Denn erst einmal krank, leiden die Menschen und die Unternehmen. Kein wirklich erstrebenswerter Zustand.