Wie wird man bloß die Anderen?

01.01. 2010, 03.00 in der Früh an einer Kreuzung in der Bremer Innenstadt. Unterwegs auf dem Heimweg von einer Silvesterfeier nahm ich mir vor, das  neue  Jahr einmal ganz wild und außergewöhnlich zu beginnen. Ich, der korrekte und stets gesetzestreue Dithmarscher stand an einer roten Fußgängerampel. Bereit für manches. Natürlich hätte ich es besser wissen müssen. Dithmarscher sind zwar rechtschaffene Bürger, allerdings haben sie noch aus rebellischen Zeiten, in denen sie die Soldaten des Dänenkönigs im Moor umbrachten, allerlei Aufstandsgene in sich. Und die müssen sich an der roten Ampel Bahn gebrochen haben.

Wer noch laufen kann in diesen frühen Morgenstunden des neuen Jahres macht sich nicht mehr die Mühe zwischen Straße und Fußweg zu unterscheiden. Gelaufen wurde wo es Spaß macht. Und ich? Ich stand an der roten Fußgängerampel und dachte: Sei wild und lebe gefährlich. Geh einfach bei Rot rüber! Gesagt, getan. Doch mitten auf der Straße diese Stimme, laut und durchdringend: „Hey Sie, warten Sie mal.“ Nein, es war nicht Gottes Stimme, die mich zur Ordnung rief. Es war eine junge, aufstrebende Polizeibeamtin. „Sie können doch hier nicht bei Rot… Aber schauen Sie mal, alle anderen laufen sogar auf der Straße… Das ist mir doch egal… Aber es ist Silvester… Gesetze gelten auch an Silvester“. Meinen Impuls, sofort in die Weser zu springen, um dem ein Ende zu machen, konnte ich aus naheliegenden Gründen (Weiterleben) gerade noch unterdrücken.

Erst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu.*

Wer ein wenig in seiner Umgebung herumfragt wird feststellen, dass die meisten von uns glauben, eine ausgesprochen einseitige Beziehung zum Schicksal zu haben. Für die anderen hält es immer nur das Gute, Schöne und Wertvolle bereit, während es für uns nur Pech, Unglück und Probleme übrig lässt. Wie kommt es nur dazu? Ginge es nach den Soziologen Fowler und Christakis sind die Menschen in unserer Umgebung daran schuld. Wer in seiner Umgebung glückliche Leute hat, ist schlicht zufriedener und selbst glücklicher. Am besten für das eigene Glücksgefühl ist nach Auffassung der Wissenschaftler ein glücklicher FreundIn (steigert das eigene Wohlbefinden um 25%) , der Bruder bzw. die Schwester (14%) und die Ehepartner (8%). Wenn dem so ist, dann könnten wir unsere Stimmung schlagartig aufhellen, indem wir unsere deprimierende Umgebung verlassen und in die Wohnung unserer glücklichsten FreundIn einziehen.

Geahnt habe ich`s ja, dort nachts an der Kreuzung. Die Beamtin hatte Dienst. So richtig glücklich macht das ja wohl nicht. Hätte ich mich bloß von ihr ferngehalten, dann wäre es auch was geworden mit meiner wilden, rebellischen Aktion. Nächstes Mal.

Das Jahr ist fast vorüber und wir machen eine Pause. Ihnen wünschen wir und ganz besonders ich, ein frohes Weihnachtsfest, ein rauschendes Silvester und ein wundervolles 2011.

Ihr Rolf Schröder und das Team von rs|u

PS
Sollten Sie Bremen besuchen, bleiben Sie auf dem Fußweg. Damit spaßen wir hier nicht.

*Zitat des Fußballspielers Jürgen Wegmann