wollmilchsau.jpgDie Menschen an der Spitze eines Unternehmens sind, teils durch eigene Ansprüche oder durch die anderer, allerhöchsten Erwartungen ausgesetzt. Nur die wenigsten sind in der Lage, dem zu entsprechen. Besteht die Aufgabe also darin, diese SpitzenkönnerInnen unter tausenden, wie die berühmte Stecknadel im Heuhaufen zu finden, oder muss nicht ein anderes Denken einsetzen?

Im Zusammenhang mit dieser Frage hat der New York Times Kolumnist Joe Nucera den Rücktritt, der sicherlich mehr Sturz war, des HP Vorstandsvorsitzenden Marc V. Hurd beleuchtet. Ob er nun an seiner zweifelhaften Beziehung zu einer Angestellten, an seinen ruppigen Führungsqualitäten oder seinen rigiden Kostensenkungsprogrammen gescheitert ist, bleibt letztlich unbeantwortet. Klar ist allerdings, dass in seiner Zeit HP zu einem kerngesunden und sehr gut verdienendem Unternehmen geworden ist. Allerdings war den Aufsichtsgremien der Preis dieses Erfolges wohl nicht ganz geheuer. Hurd gelang es offenbar nicht, die Führungskräfte und Mitarbeiter des Unternehmens hinter sich und seinen Ideen zu bringen. Er war allein auf weiter Flur und damit einem Bild entsprungen wie es viele solcher Top-Leute und vor allem viele ihrer Bewunderer aufweisen, dem Lonesome Wolf, einsam an der Spitze, das ganze Unternehmen auf den Schultern und für wohl und wehe tausender Mitarbeiter verantwortlich. Niemand ist Gott näher.

Daher muss die Frage gestellt werden, ob dieses Verständnis zeitgemäß und vor allem nützlich ist. Robert Sutton, Management Professor in Stanford meint dazu, dass es sinnvoller ist, die eigenen Grenzen und Fähigkeiten zu kennen und sich mit einem Team zu umgeben, das die eigenen Möglichkeiten erweitert und ergänzt. Weg von der Hybris alles zu können, hin zu den Fertigkeiten den richtigen Leuten die notwendigen Möglichkeiten einzuräumen.

Die Eierlegende Wollmilchsau ist endgültig tot. Wer kann schon gleichzeitig oder einfach auch nur nacheinander der Krisenmanager, der Kostenkiller, der Stratege, der Visionär, der Inspirator und emotionale Mittelpunkt eines Unternehmens sein. So etwas von einem einzelnen Menschen zu verlangen, grenzt an Misshandlung, ist in jedem Fall Überforderung und ganz simpel gemein. Denn der Misserfolg ist diesem Menschen gewiss.

HP ist auf der Suche nach einem neuen Vorstandsvorsitzenden. Gelernt haben die Verantwortlichen von HP aus dem Desaster nicht allzu viel. Wieder wird alles auf eine Karte, eine Person gesetzt. Nun soll der oder die Neue soll nicht einfach nur guten Umsatz machen, sondern

„jemand mit Ms.Fiorina`s (ehemalige Vorstandsvorsitzende) strategischen, Mr. Hurd`s operativen und Mr. Platt`s (Vorgänger von Ms. Fiorina) emotionalen Fähigkeiten“.

Glückwunsch HP. In ein Knie haben sie sich schon geschossen, nun ist das zweite dran.