steg-1.jpgRenate S.* war jahrelang dabei. Immer an vorderster Front hat sie sich für das Unternehmen stark gemacht. Doch seit einiger Zeit empfand die Bereichsleiterin eines großen Klinikkonzerns den Druck zu funktionieren als so immens, dass sie zu Medikamenten griff um ihre Leistungsfähigkeit zu erhalten. Ein Phänomen das immer mehr zunimmt, wie auch der jüngste Gesundheitsreport der DAK zeigt. Ist das jetzt die Zukunft der Arbeit?

Ob der Vergleich mit dem Sportdoping hier wirklich angebracht ist, darüber läßt sich streiten. Doch unstrittig ist, dass auch im beruflichen Feld der Einsatz von leistungssteigernden Mittel immer mehr um sich greift. Es handelt sich meist um Psychopharmaka, Alkohol, Nikotin, Koffein sowie illegale Drogen wie zum Beispiel Kokain oder Ecstasy. Sie alle werden genommen in dem Bemühen, die berufliche Leistungsfähigkeit ohne medizinische Therapieindikation zu steigern. Ein zu Beginn vielleicht erfolgversprechender Ansatz, auf längere Sicht allerdings mit erheblichen psychischen und physischen Problemen behafteter Versuch. Dennoch wird er unternommen.

Natürlich gibt es eine Vielzahl von Erklärungen für dieses Verhalten. Die Menschen wollen nicht versagen, immer vorne mit dabei sein, möchten permanent einsatzbereit sein und als leistungsstark gelten. Auch um den Preis das Freunde, Familie und Freizeit dadurch erheblich leiden oder ganz auf der Strecke bleiben. Doch bei allen diesen Erklärungen darf nicht außer Acht gelassen werden, dass es eine individuelle Verantwortung jedes Einzelnen gibt, diesem Spiel im Hamsterrad zu entfliehen. Und genau hier liegt auch der berühmte Hund begraben. Steigt man aus dem Spiel aus, dann hat dies einen Preis. Und der ist im Einzelfall hoch, wie das Beispiel des Tennisstars Andrew Agassi zeigt. Doch nicht jeder ist dazu bereit oder in der Lage.

Wer die Besprechung früher verlässt weil die Tochter vom Kindergarten abgeholt werden muss, wer nicht ständig versucht der letzte im Büro zu sein, wer Aufträge auch einmal zurückweist, dafür sorgt dass er nicht ständig 80 Stunden in der Woche arbeitet, gehört nicht zum hippen Kreis der „Ich kann alles zu jeder Zeit und überall Menschen“. Aber er gehört zum Kreis der seelisch Gesunden, dopingfreien Menschen. Einer Spezies die es im Moment schwer hat, aber das gesunde, lang- wie kurzfristig beste Fundament eines jeden Unternehmens sind. Stärken wir sie.

* Name geändert.