In Meppen entsteht zurzeit der Seniorenpark am Heideweg.
Eine Siedlung aus Einfamilienhäusern für Senioren. Ist das der neue Trend
oder doch eher ein überkommenes Modell einer Sonderlebenszone?

Was im Süden der USA in den sechziger Jahren als riesiger Boom begann, der Bau in sich hermetisch abgeschlossener Altensiedlungen in denen es Kirchen, Supermärkte, Pflegedienste, große Golfanlagen und Hotels gibt, hat allerdings seinen Höhepunkt bereits hinter sich. Die neusten Projekte haben mit deutlichem Nachfragerückgang zu kämpfen. Das berühmteste seiner Art ist Sun City in Arizona mit seinen 1300 Häusern. Heute wohnen dort 38 000 Menschen, einige tausend mehr, als Meppen insgesamt an Einwohnern hat.

Natürlich will die Anlage in Meppen nicht in solch Dimensionen wachsen, doch die Grundidee ist ähnlich. Sicherheit in allen Lebenslagen mit einer Vollversorgung die die Wirrnisse des „normalen Lebens“ wie Kriminalität, Umweltverschmutzung, Verkehrslärm etc. außen vor lässt. Rückzug in eine heile Welt. Und für einige Interessenten genau das richtige Angebot. Doch für den großen Teil der Bevölkerung wird dieser Rückzug einen hohen Preis haben, den sie vermutlich nicht zu zahlen bereit sein werden.

Sie nehmen nicht mehr am realen Leben teil. Einem Leben dem sie jahrzehntelang verbunden waren, das ein Teil ihrer Persönlichkeit ausmacht. Da waren die Kinder im Nachbahrhaus, die zwar mal laut waren, aber immer auch eben die Kisten in den dritten Stock geschleppt haben. Da war der Bäcker der ihnen kleinere Mengen Brot geschnitten hat, oder die Geschäftsstelle der Sparkasse in der sie mit Namen angesprochen wurden. Kurz sie waren Teil einer vielfältigen Kultur die auf Geben und nehmen ausgerichtet war. Und klar, in der man sich auch einmal ordentlich über die Nachbarn oder sonstige Leute geärgert hat. Aber das war Leben und machte die Qualität aus. Das war und ist das reale Leben.

Städte und Siedlungen die das nicht bieten, sind aus meiner Sicht keine wirklichen Alternativen, sondern Rückzugsräume mit dem schalen Beigeschmack des Inszenierten. Wie im Film Truman Show wird reales Leben vorgegaukelt, ohne die wichtigste Essenz eines solchen Lebens, nämlich ein gestaltender, selbstbestimmter Teil eines vielfältigen Stadtteils oder Ortes zu sein. Mitmachen statt nur zusehen. Realität statt Fiktion.

PS
Schön, dass auf der Homepage des Anbieters zwei ältere Menschen und ein Kind zu sehen sind. Wenigstens ein bißchen was vom realen Leben.