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„Es ist höchste Zeit, wenn wir nichts tun sind wir bald weg vom Fenster“. Solche oder ähnliche Sätze hören wir heute in vielen Unternehmen. Sie sind der Ausgangspunkt für Restrukturierungsprozesse. Die Veränderungsmaschinerie mit all ihren Werkzeugen wird in Gang gesetzt. Doch was passiert dann?

Von notwendigen Umstrukturierungen, von Anpassungen, von Optimierungen ist die Rede. Koordinierungsgruppen werden ins Leben gerufen, Arbeitskreise gebildet und Projektpläne entwickelt. Mitarbeiter besprechen heute dieses und morgen jenes Verfahren. Es wird diskutiert welche Probleme Lösung A. und welche Lösung B. nach sich ziehen werden. Entschieden wird, dass erst einmal grundsätzlich diskutiert werden müsse und dann einen genau durchdachter Plan der neuen Struktur erstellt werden muss. Anschließend könne daran gedacht werden, weiter zu machen. In der Folge könne möglicherweise, an einer ersten Umsetzung gearbeitet werden.

Zweckorientiertes Handeln findet nicht statt. Die Erfahrung bei allen Beteiligten, dass Reden allein in Arbeitsgruppen keinen einzigen neuen Arbeitsschritt hervorbringt und keinen einzigen neuen Arbeitsablauf entstehen lässt, hat sich nicht durchgesetzt. Viele sind offenbar der Meinung, das Reden Handeln ersetzt. Die Einsicht, dass nicht alles planbar und keinesfalls alles auch hundertprozentig so eintritt wie es gewünscht wird, hat sich ebenfalls nicht durchgesetzt. Es fehlt die Bereitschaft zweckorientiertes schnelles Handeln, gegenüber dem ausgefeilten und bis ins kleinste durchdachten Projektplan, den Vorzug zu geben.

Auf Worte, das weiß oder ahnt zumeist jeder, sollten Taten folgen. Und wie bei einer Rede sollte auch bei einer Handlung der Zweck im Vordergrund stehen. Pragmatik heißt die Lehre von der Kunst, richtig zu handeln. Der aus dem Griechischen stammende Begriff bezeichnet den Sinn für Tatsachen, die Konzentration auf das Nützliche. Von ihm leitet sich der Pragmatismus als Methode erfolgsorientierten Wirkens ab. Anders ausgedrückt: Ein Pragmatiker entscheidet Fälle nicht nach Grundsätzen, sondern grundsätzlich fallweise. Und er vergisst nie, dass Reden nicht das Handeln ersetzen kann.

Diese Anekdote zeigt wie es geht:

– Ein Benediktiner, ein Dominikaner, ein Franziskaner und ein Jesuit beten zusammen. Plötzlich gehen alle Lichter aus. Der Benediktiner will mit dem Gebet fortfahren, denn er kennt es auswendig. Der Dominikaner regt ein Streitgespräch über „Licht und Dunkel in der Bibel“ an. Der Franziskaner kniet nieder und schlägt vor, dem Herrn für das Licht zu danken, das ihnen so sehr fehlt. In diesem Augenblick wird es wieder hell. Der Jesuit hatte inzwischen die Sicherung ausgewechselt.